Zeit zu gehen
Ich sitze stumm vor deiner Uhr. Tick Tack. Weist mich wieder ab. Grund genug, mich zurück zu ziehen. Das, was du eigentlich gar nicht willst. Schlag um Schlag fällt es mir schwerer, hier zu sitzen und zu warten. Die Miesmuschel sieht mir zu beim Warten. Stumm glotzt sie abwechselnd zu mir und zu dieser Scheißuhr, die nichts zu tun hat, als weiter zu laufen. Vielleicht sollte ich diese Drecksbatterien rausreißen.
Immerhin vergeht die Zeit auch ohne unser Zutun, nicht wahr? Fuck Miesmuschel, Mann! Glotz gefälligst woanders hin. Du bist mir echt keine Hilfe!! Öffne dich oder lass es bleiben. Aber lass mich nicht ständig antanzen, um dann nichts zu tun.
Es steht dir in deine überaus hässlichen Rillen geschrieben, dass etwas nicht stimmt. Etwas ist oberfaul und du kriegst einfach deine Fresse nicht auf. Ich bin doch jetzt da oder nicht?! Machst du das mit Absicht? Dämliche Weiber! Wer hat euch so ein Verhalten anerzogen dessen man sicht schämen sollte?! Wer hat festgelegt, jedes Mal, sollte es nicht nach eurem Kopf gehen, so ein Theater veranstalten zu dürfen, welches selbst Skakespeare beeindruckt hätte? Ich verstehe euch einfach nicht.
Noch immer kein Wort von der Miesmuschel. Nicht mal eine Geste. Na gut Prinzessin, dann lieg halt weiter rum, leck dir deine Wunden, die du dir durch dein selbst auferlegtes Schweigegelübde zugefügt hast, um Märtyrerin zu spielen. Tu das, nur vorerst ohne mich.
Die Uhr tickt weiter, mir geht sie auf den Sack. Meine Zeit ist ohnehin um. Plötzlich öffnet sich die Miesmuschel. In dem Moment als die Tür hinter mir zufällt.
Text: Jenny Neumann

