Wundheilungsstörung
„Die Zeit heilt alle Wunden.“ Schier kein Satz kommt uns leichter über die Lippen, wenn wir nach tröstenden Worten suchen. Und was bleibt nach Gesprächen in denen wir unseren Verstand ach so weise Dinge sagen ließen? Die Erinnerung daran, dass unsere Traurigkeit, unsere Enttäuschungen, unsere Ängste, Sorgen, Nöte und unsere grenzenlose Wut, meist auf uns selbst, tiefe Spuren hinterlassen haben.
Ich hatte mir vorgenommen, den Verband, den ich mir vor einigen Wochen fest anlegte, nicht abzunehmen. Zumindest so lange, bis ich mir sicher sein konnte, dass sie verheilt sei, die Wunde und die bleibende Narbe nur noch ab und an mal etwas zwickte. Der Entschluss dazu war kein spontaner. Immer und immer wieder wollte ich dies tun, bis die Hoffnung irgendwann zwar leise nachgab, mich aber immer noch regelmäßig zwang, einen Blick darauf zu werfen. Meist am späten Abend. Wenn auch das letzte Licht der Stadt langsam erlosch und die kalte Luft durch mein gekipptes Fenster kroch.
Genau jetzt ist es wieder so, wie es in den letzten Wochen viel zu oft war. Ich sitze, gewickelt in eine Decke, in meinem Korbsessel und sehe in die Flamme der Kerze, die den Raum sanft wärmt. Sobald ich meine Augen schließe, bist Du wieder da. Ich spüre Deine Hände, die sich sanft auf meine Schultern legen. Fühle Deinen Atem in meinem Nacken und Deine Stimme flüstert „Liebste, schau mich an“. Ich öffne lächelnd meine Augen. Möchte in Dein Gesicht sehen, welches ich so vermisse. Der alte Holzfußboden knackt, ich schaue auf meine Wunde und während eine Träne meine Wange entlang rinnt, sag ich leise „Du bist auch immer in meinem Kopf, ob ich will oder nicht“.
Irgendwann werden wir wissen was von all unseren Stunden blieb.
„Und fällt uns am Ende das Herz aus der Brust, dann hoffentlich dafür, dass wir es berührten.“
Text: Anita Hendrich


8. Juni 2012 um 08:54 Uhr
Öhm? ….. Ja.
8. Juni 2012 um 11:09 Uhr
„Die Zeit heilt alle Wunden.“
Ja, das wird so dahingesagt.
Ich find ja besser :
“I have been to hell and back. And let me tell you, it was wonderful. Happy people have no stories.” (Louise Bourgeois, Kunstweltstar, uralt geworden. Ausstellung läuft glaube ich noch in Hamburg).
8. Juni 2012 um 23:58 Uhr
Zumal man dann vielleicht Glück auch ganz anderes fühlen und erleben kann.
9. Juni 2012 um 17:23 Uhr
Och, ich finde, auch glückliche und zufriedene Menschen können Geschichten erzählen. Die rühren dann vielleicht nicht so sehr das Herz an, wie die von Anita, nach dem alten Motto: Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide. Aber Tolkien hat seine Stories ja auch nicht aus eigener Erfahrung geschrieben (nehme ich mal an), und trotzdem möchte ich sie nicht missen.
11. Juni 2012 um 14:32 Uhr
Mönsch Ingolf, dieses stete Mär von glücklichen und unglücklichen ist genauso ein Mythos wie das der guten und bösen, der schwarz oder der weiß denkenden, der intelligenten und der dummen, der fleißigen und der faulen und was weiß ich noch alles an Menschen. Fazit: das eine kann losgelöst vom anderen gar nicht existieren und muss zwangsläufig immer im Duett auftreten innerhalb einer Person. Frau Louise kann da sagen, was sie will, es ist wie häufig so: übertreibe und sorge dafür, dass Dein Schicksal sich von allen anderen abhebt, dann wirst Du wahrgenommen. Papperlapapp. Jedes Leben ist eine Story, egal wer wie wo die Meßlatte legt. Prost zum Montag.
18. Juli 2012 um 19:47 Uhr
Wer sein Herz wirklich sprechen lässt, wird wohl nie übertreiben.