Sag dem Teufel guten Tag
„Es ist so, als ob der Teufel im Moment um die Häuser schleicht.“ sagte mir vor kurzem eine Freundin mit sorgenvoller Miene. Ich hatte ihr unbekümmert ins Gesicht gelächelt und vermittelt, dass ich ihren Glauben an das alte Ungetüm grauer Vorzeit nicht im Geringsten zu teilen gewillt bin. Doch dieses änderte sich schlagartig.
Er stand hinter einer Häuserecke und lugte spitzbübisch hervor. Ich erkannte ihn genau. Seine schwarzen, zornigen Augen hatten mich fixiert. Wahrscheinlich machte er sich bereit, mir ein Bein zu stellen. Ein Schaudern durchzog meinen Körper, meine Gedanken begannen zu rasen. Was sollte ich jetzt tun? Ich konnte doch nicht einfach blind in seine Arme laufen, in mein Verderben stürzen?!
Noch ehe mein Gehirn ein klares Signal senden konnte, machten sich meine Füße selbstständig. Sie kehrten um und gingen zügig in die andere Richtung. Mein Herz pochte so laut, dass es jeder, der an mir vorüber ging, gehört haben musste. Ich zog meine schwarze Kapuze tief ins Gesicht und tauchte in der Menschenmenge vor mir unter. Trotzdem spürte ich seinen stechenden Blick, der sich in meinen Rücken bohrte.
Meine Schritte wurden immer schneller, während ich mir einen Weg durch die Gassen bahnte. Ich war mir sicher, dass er noch hinter mir war. Mein Geist flehte mich nur an zu laufen. Es begann zu regnen, dicke schwere Tropfen fielen mir ins Gesicht, mein Atem begann sich langsam in der Luft abzuzeichnen. Die Angst nahm mir jeglichen Orientierungssinn, meine Augen waren nicht mehr fähig, zwischen den vielen, kargen, vorbeischnellenden Häuserwänden zu unterscheiden.
Plötzlich war da eine dicke graue Mauer direkt vor mir. Ich hatte mich selbst in eine Sackgasse manövriert. Mein Rücken schmiegte sich mit steifer Furcht an die heruntergekommene Wand. Panisch suchten meine Augen einen Ausweg, doch sie fanden nur seine dunkle Gestalt am Ende der Straße. Mit seinen Augen brach er bereits in meine Seele ein und mit jedem Schritt auf mich zu wuchs sein Grinsen. Ich wollte schreien, doch nur ein leises Ächzen verließ meine zitternden Lippen.
Die Situation schien für mich ausweglos. Kurz bevor er mich gänzlich erreichen konnte, zwängten sich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkenberge am Himmel. Sie trafen auf die alte, verbeulte Laterne am Straßenrand, ebenso auf deren Tropfen, die an ihr herunter rannen. In ihrem glitzernden Farbenspiel verblasste langsam der graue Schleier vergangener Zeit, der bis dahin an ihr haftete. Sichtbar geworden war jedoch auch ihr schwarzer Schatten, der sich davor in die Länge zog und ihre schmale Silhouette auf den nassen Asphalt malte. Er würde immer bei ihr sein, direkt an ihrer Seite, doch sich nur zeigen, wenn auch das Licht bei ihr ist.
In diesem Augenblick fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich verneigte mich tief vor der dunklen Gestalt vor mir, die mich nun argwöhnisch zu mustern begann. Ich lächelte und meine ruhigen Lippen brachten ein warmes „Danke“ hervor. Seine schwarzen Augen starrten mich an. Er hatte mich nicht im Geringsten verstanden, also machte ich einen Schritt auf ihn zu: „Ich danke dir Teufel, komm lass dich umarmen.“.
Spät noch am Abend hallten schnelle Schritte durch die Stadt. Vor mir zwei hastende Füße, bestrebt trotz eines Pferdefußes nicht an Geschwindigkeit zu verlieren und ein schwarzes Augenpaar, welches sich angsterfüllt immer wieder nach mir umsah, verzweifelt darum bemüht, meinen ausgebreiteten Armen zu entkommen.
Text: Anja Knobloch
