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Contra & Pro

Das Buch ist unsterblich

1. Juli 2011 von

Buchhändler

Das Buch ist unsterblich. Es sind nicht nur die vielen Totsagungen, die wie ein ständig sprudelnder Jungbrunnen wirken. Es sind auch die köstlichen Fehlversuche, aus gemütvollen Freunden des Papierbuches, das lebt und riecht, das im Regen quillt und in der Sonne bleicht, das an den Kopf geworfen Schmerzen verursacht und schließlich zu Staub verfallend Werden wie Vergänglichkeit als Botschaft in sich trägt – aus diesen Freunden des Papierbuchs Jünger der digitalen Verkümmerung zu machen.

Ein Buch besteht aus mehr als Null und eins, es trägt nicht nur eine Geschichte, es hat eine Geschichte und ist mit all seinen Bücherbrüdern und -schwestern Motor oder Fessel geschichtlicher Entwicklungen seit den ersten Tage der schwarzen Kunst.

Niemals sah man einen Menschen, sein Pfeifchen schmauchend im Ohrensessel im E-Book schmökern, es ist nicht vorstellbar. Dem digitalen Tagebuch fehlen die Spuren des Ringens um jedes Wort, das rein geschrieben wird. Die Tränen, die Flüche, die duftende Locke, der schwindende Abdruck vom herbstfeuchtem Laub, das macht mein Buch. Je abgegriffener der Einband, desto tiefer berührt wieder und wieder Gelesenes.

Bücher sind habbar, was das schlechteste nicht ist in Zeiten der Haltlosigkeit. Man kann sie begreifen, auch wenn man wenig versteht und aus der haptischen Macht die Hoffnung schöpfen auf die Durchdringung der Welt.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Pro & Contra

Das Buch ist tot

1. Juli 2011 von

Totengraeber

Endlich. Kein Baum muss mehr sterben, kein Möbelpacker mehr schwitzen, kein Füllhalter kratzt je mehr über rauhes Papier. Das Buch ist tot. Das Papierbuch, wohlgemerkt. Gelesen wird wohl noch werden, in naher wie in ferner Zukunft. Doch sie ist digital, die Zukunft.

Ihre Datensammlungen – und nichts anderes ist ein Buch als eine komprimierte Menge von Daten, sachlichen, fiktiven, emotionalen Daten – ihre Datensammlungen also werden nicht mehr in Stein gemeißelt, an Höhlenwände gemalt oder auf Papier geschrieben. Sie liegen wohlbehütet in elektronischer Form auf Speichermedien zum jederzeitigen Abruf bereit, vielfach kopierbar.

Noch tüfteln kluge Köpfe an der für den Konsum von Geschriebenem geeignetsten Form jenseits des aussterbenden Buches. Noch klammern sich Druckereibesitzer, heimliche Verehrer von Bibliothekarinnen und Menschen, die schon Webstühle für Teufelszeug hielten, am Papierbuch fest. Doch sie beißen in von Motten zerfressenen Staub.

Das E-Book ist nicht aufzuhalten. Es bringt uns jeden jemals festgehaltenen Gedanken vor Augen und in den Sinn, wo, wann und wie wir wollen. Mit solcher Fülle umzugehen, bedarf einer hohen
Auswahlkompetenz, keine Frage. Aber Leitern, um ins Regal zu klettern, die brauchen wir nicht mehr.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Lehrjahre sind keine Herrenjacke

Wo gehobelt wird

30. Juni 2011 von

Arbeitsfreude

Wo gehobelt wird, fallen nicht nur Späne

 

Interviewer: (leitet ein) … Heute sind wir zu Gast in der Berufsschultischlerei „Walter Astloch“. Hier wird neuerdings die sportliche Betätigung in den Lehrplan integriert. Wer also eine Ausbildung zum Facharbeiter für Schnitz- und Hobeltechnik genießt, hat in den Pausen Gelegenheit an einem fakultativen Karatekurs teilzunehmen. Diese Möglichkeit nutzen selbstverständlich sehr viele Lehrlinge. (zum Interwieten) Herr Astloch, wie kamen Sie auf so eine brillante Idee?

W. Astloch: Es lag förmlich auf der Hand. Ich habe in einer Pause beobachtet, wie sich drei Jugendliche im Durchschlagen von Holzresten maßen. Sie hatten wohl um einiges gewettet und stellten sich obendrein auch noch recht gut an. Ja, und was soll ich Ihnen sagen, die Idee war geboren.
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Jetzt reichts endgültig!

Ich mach nicht mehr mit

29. Juni 2011 von

immer.schuld
 

Es reicht jetzt. Ich bin immer an allem schuld. Ich muss immer für alles bezahlen. Wenn ich ein Steak esse, bin ich schuld, dass die armen Kühe abgeschlachtet werden. Ist es nicht vom Bio-Fleischer, bin ich sogar daran schuld, dass sie vor ihrer Schlachtung keine Freude hatten. Die japanischen Kühe werden massiert, verbringen ein Leben im Wellness-Tempel und bekommen nur Kirschblüten zu fressen, um dann abgeschlachtet zu werden. Wobei die Japaner auch gerne Wale ausrotten. Nichts gegen Japaner! Höfliche, nette Leute. Aber ist doch wahr. Die bauen da zehn Reaktoren auf einen Haufen. Und ich bin schuld, weil ich billigen Strom kaufe. Jahrzehntelang hat sich RWE eine goldene Nase an mir verdient. Vor 25 Jahren hieß es noch, Atomausstieg geht nur durch Boykott, Graswurzelrevolution, Demos und Sitzblockaden. Jetzt stellt die Politik den Schalter um und klack. Weiterlesen →

Schmerzhaft schön

unvergessen

28. Juni 2011 von

Siehst du meine Narben
hier: Tief unter der Brust
schwer verwundet von dem Nichts
mit dem du mich mal trafst. Weiterlesen →

Lyrik

Offenes Buch

27. Juni 2011 von

Regenwolken

ich lese

tagsüber in den Wolken gefüllt voller Regen

Geschichten, welche das Leben dem Menschen gegeben.

nachts in den strahlenden Sternen

bewußt um das Sehen zu erlernen.

Schicksale getragen durch Zeit und den Wechsel des Raumes

lassen Dich fühlen die Tiefe des Traumes.

Berührt und geküsst durch den Wind,

erwache ich wieder als unschuldiges Menschenkind.

zurück auf dem Pfad des Glückes

befreit von den Zwängen des Bühnenstückes!

Autor


Bild: Arielle Kohlschmidt

Gut gewürzt

Am Scheideweg

24. Juni 2011 von

Frau mit Messer

Es gibt wenige Situationen, wo mir tatsächlich mal der Kamm schwillt. Meist entledige ich mich nur mittels vorgetäuschter Empörung irgendwelcher lästiger Aufgaben oder Zeitgenossen, um mich dann sofort wieder in den Aggregatszustand der völligen Gelassenheit fallen zu lassen, in dem ich nun schon seit so vielen Jahren auf verschiedene Gelegenheiten warte. Beim Kochen ist das anders. Sobald mir am Herd jemand dreinredet, wird meine Halsschlagader porös. Ich bin ein Kochautist.

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Rätselhaftes

Treckertreffen

23. Juni 2011 von

Traktor

Treckertreffen in Klein Priebus – das sind drei Tage satte Motoren, drei Tage Dieselgeruch und drei Tage begeisterte Männer und noch begeistertere Traktorenbesitzer.
Ganz anders als auf einem Country- oder Hardrockfest übrigens. Wo allesamt so anders als in ihrem Alltag sind, Schlammcatchen den Höhepunkt des Abends bildet neben einer gehörigen Prügelei und der üble Geruch von Sex mit fremden Menschen auf dem Dixie-Klo in der Luft hängt. Das Treckertreffen ist ein Familienfest. Mann und Frau und Kind und Kegel reisen an, wie wir sie kennen und mögen. Es gibt Technik für die Männer, Gespräche und Kuchen für die Frauen, eine Bauernolympiade und natürlich Trecker fahren für die Kinder.

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Lebensweisen

Von einer üblen Nacht und dem Tag danach

22. Juni 2011 von

Affen, kuscheln, Zoo

Drei Variationen einer lasterhaften Nacht

VIELLEICHT SO?

Sichtlich nicht dem Gott gedacht der da in mir nächtens wacht
Führte mich der Liebe Los in der Liebsten heilig Schoß
So der Sinne längst verführt hat sie meine Lust berührt
Als der Morgen mich da rief während sie noch weiterschlief

HOFFENTLICH NICHT SO!

Sichtlich nicht dem Gott gedacht der da in mir nächtens wacht
Führte mich des Dranges Los in der Dirne heißen Schoß
So vom Wahnsinn längst verführt hab ich ihr die Kehl’ geschnürt
Als der Morgen mich da rief während sie für immer schlief

DANN LIEBER DOCH NUR SO.

Sichtlich über Gott gelacht der da nächtens einen kracht
Führte ihn sein schlimmes Los in der Wirtschaft düstren Schoß
So der Sinne längst verkommen hab ich ihn dann mitgenommen
Und bei mir in meinem Haus soff er sich den Teufel aus



Kurvenlage

Die Sache mit der Schachtel

21. Juni 2011 von

Hängt er oder steht er

Das Leben, sagt mein lieber alter Freund Forrest Gump, sei wie eine Schachtel Pralinen. Man wisse nie, was man bekommt. Nun sind zwar Pralinen und anderes Naschwerk für mich aufgrund meiner verzweifelten Anstrengungen, der Alterskorpulenz entgegenzuwirken, total tabu. Aber das Bild mit der Schachtel mag ich trotzdem. Aller zehn Jahre – aller sagt man hier, wo ich grad lebe – aller zehn Jahre also habe ich bisher steile Kurven in meine Lebenslinie eingebaut. Vielleicht war es auch andersrum.

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