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Tatort Powerpoint

Überlebenstraining Konferenz

7. Juli 2011 von

Ich sitze gerade im sonnigen Prag. Beneidenswert, mitten in der Woche, oder? Tatsächlich ist die bezaubernde Karlsbrücke nur zwei Minuten entfernt. Ich könnte jetzt aus dem Fenster pfeifen, in der Hoffnung, dass mir das schöne Mädchen zurückwinkt. Mich heraus fordert, mit einem leichten Lupfen am zarten Stoff, der die Endlichkeit ihrer Beine versteckt. Mit diesem Pfiff würde ich in meiner derzeitigen Situation allerdings einen internationalen Konflikt auslösen. Der spanische Vertreter eines Projektes gegen Landflucht triebe mich wahrscheinlich wie ein wilder Stier durch die Arena, die im Prag des Hier und Jetzt der Sitzungssaal des Regionalparlamentes ist. Weiterlesen →

Rollenspiele

Blödsein

6. Juli 2011 von

Komiker

Es gibt, Betroffene werden mir das bestätigen, zwischen Menschen, die früh am Tage unterwegs sind, eine verblüffende Brüderlichkeit. Eigentlich, so müsste man denken, eigentlich hat doch so gegen früh um fünfe noch keine Synapse Verbindung zur Außenwelt. Vielleicht ist es aber gerade das, was uns Tagesfrühgeburten zusammenschweißt. Nacktmulle sind ja auch keine Laufstegschönheiten und darüberhinaus blind. Und trotzdem finden sie zur Fortpflanzung zusammen. Mit solchen Gedanken ging ich dieser Tage frohgemut zu einem frühen Zug und ließ mich von den Straßenkehrern wie der Brieffrau grüßen und vom Gemüsemann aus seinem kleinen Laden. Dabei gelangte ich zu einer erstaunlichen Erkenntnis.

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Lyrik

Was Herz befahl

5. Juli 2011 von

blonde-frau-vor-spiegel

Einsamkeit hälst mich in Deinen Fängen,

erst gesunken, dann ertrunken

in Deinen wirren Klängen.

Gefühle lösen sich vom Körper wie Fleisch,

entfliehen meiner Seele – gefroren zu Eis.

Übergang von Kälte zur Leere frißt sich meinen Körper entlang

Hoffnungslosigkeit des Nicht-Verstehens entsprang.

was ist normal?

tun was Herz befahl?

Herz versteckt durch Verstand.

Dich suchte und nicht mehr wiederfand.

Weg zum Herzen geschützt durch Rosendorn,

hast erstickt die Gefühle im Samenkorn.

Schließe die Augen und Du wirst sehn,

ist´s einfacher den Weg im Dunkeln zu gehn.

Wache auf – ein neuer Tag – ein neues Leben!

Welches Dir jeden Tag auf´s Neue gegeben!


Bild: Annett Gernhardt

Abschalten jetzt

Ohne Worte

4. Juli 2011 von

hallo-laute-welt
Der Wortklau und der internationale Silbenhandel sind einfach nicht mehr einzudämmen. Auch wenn im Hamburger Hafen vor zwei Tagen noch 22 Container mit Wortfetzen kurz vor dem Verschiffen beschlagnahmt werden konnten, ist das nur ein I-Punkt auf den heißen Satz. Erst kürzlich wurde bei Reden im Landkreis Hannover ein als Milchtanklastwagen getarntes Fahrzeug mit flüssigem Gesprächsstoff bei einer Routinekontrolle entdeckt. Es war der erste Fund dieser Art auf einer hochdeutschen Autobahn. Den Ermittlern fehlen bis heute die Worte. Weiterlesen →

Contra & Pro

Das Buch ist unsterblich

1. Juli 2011 von

Buchhändler

Das Buch ist unsterblich. Es sind nicht nur die vielen Totsagungen, die wie ein ständig sprudelnder Jungbrunnen wirken. Es sind auch die köstlichen Fehlversuche, aus gemütvollen Freunden des Papierbuches, das lebt und riecht, das im Regen quillt und in der Sonne bleicht, das an den Kopf geworfen Schmerzen verursacht und schließlich zu Staub verfallend Werden wie Vergänglichkeit als Botschaft in sich trägt – aus diesen Freunden des Papierbuchs Jünger der digitalen Verkümmerung zu machen.

Ein Buch besteht aus mehr als Null und eins, es trägt nicht nur eine Geschichte, es hat eine Geschichte und ist mit all seinen Bücherbrüdern und -schwestern Motor oder Fessel geschichtlicher Entwicklungen seit den ersten Tage der schwarzen Kunst.

Niemals sah man einen Menschen, sein Pfeifchen schmauchend im Ohrensessel im E-Book schmökern, es ist nicht vorstellbar. Dem digitalen Tagebuch fehlen die Spuren des Ringens um jedes Wort, das rein geschrieben wird. Die Tränen, die Flüche, die duftende Locke, der schwindende Abdruck vom herbstfeuchtem Laub, das macht mein Buch. Je abgegriffener der Einband, desto tiefer berührt wieder und wieder Gelesenes.

Bücher sind habbar, was das schlechteste nicht ist in Zeiten der Haltlosigkeit. Man kann sie begreifen, auch wenn man wenig versteht und aus der haptischen Macht die Hoffnung schöpfen auf die Durchdringung der Welt.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Pro & Contra

Das Buch ist tot

1. Juli 2011 von

Totengraeber

Endlich. Kein Baum muss mehr sterben, kein Möbelpacker mehr schwitzen, kein Füllhalter kratzt je mehr über rauhes Papier. Das Buch ist tot. Das Papierbuch, wohlgemerkt. Gelesen wird wohl noch werden, in naher wie in ferner Zukunft. Doch sie ist digital, die Zukunft.

Ihre Datensammlungen – und nichts anderes ist ein Buch als eine komprimierte Menge von Daten, sachlichen, fiktiven, emotionalen Daten – ihre Datensammlungen also werden nicht mehr in Stein gemeißelt, an Höhlenwände gemalt oder auf Papier geschrieben. Sie liegen wohlbehütet in elektronischer Form auf Speichermedien zum jederzeitigen Abruf bereit, vielfach kopierbar.

Noch tüfteln kluge Köpfe an der für den Konsum von Geschriebenem geeignetsten Form jenseits des aussterbenden Buches. Noch klammern sich Druckereibesitzer, heimliche Verehrer von Bibliothekarinnen und Menschen, die schon Webstühle für Teufelszeug hielten, am Papierbuch fest. Doch sie beißen in von Motten zerfressenen Staub.

Das E-Book ist nicht aufzuhalten. Es bringt uns jeden jemals festgehaltenen Gedanken vor Augen und in den Sinn, wo, wann und wie wir wollen. Mit solcher Fülle umzugehen, bedarf einer hohen
Auswahlkompetenz, keine Frage. Aber Leitern, um ins Regal zu klettern, die brauchen wir nicht mehr.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Lehrjahre sind keine Herrenjacke

Wo gehobelt wird

30. Juni 2011 von

Arbeitsfreude

Wo gehobelt wird, fallen nicht nur Späne

 

Interviewer: (leitet ein) … Heute sind wir zu Gast in der Berufsschultischlerei „Walter Astloch“. Hier wird neuerdings die sportliche Betätigung in den Lehrplan integriert. Wer also eine Ausbildung zum Facharbeiter für Schnitz- und Hobeltechnik genießt, hat in den Pausen Gelegenheit an einem fakultativen Karatekurs teilzunehmen. Diese Möglichkeit nutzen selbstverständlich sehr viele Lehrlinge. (zum Interwieten) Herr Astloch, wie kamen Sie auf so eine brillante Idee?

W. Astloch: Es lag förmlich auf der Hand. Ich habe in einer Pause beobachtet, wie sich drei Jugendliche im Durchschlagen von Holzresten maßen. Sie hatten wohl um einiges gewettet und stellten sich obendrein auch noch recht gut an. Ja, und was soll ich Ihnen sagen, die Idee war geboren.
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Jetzt reichts endgültig!

Ich mach nicht mehr mit

29. Juni 2011 von

immer.schuld
 

Es reicht jetzt. Ich bin immer an allem schuld. Ich muss immer für alles bezahlen. Wenn ich ein Steak esse, bin ich schuld, dass die armen Kühe abgeschlachtet werden. Ist es nicht vom Bio-Fleischer, bin ich sogar daran schuld, dass sie vor ihrer Schlachtung keine Freude hatten. Die japanischen Kühe werden massiert, verbringen ein Leben im Wellness-Tempel und bekommen nur Kirschblüten zu fressen, um dann abgeschlachtet zu werden. Wobei die Japaner auch gerne Wale ausrotten. Nichts gegen Japaner! Höfliche, nette Leute. Aber ist doch wahr. Die bauen da zehn Reaktoren auf einen Haufen. Und ich bin schuld, weil ich billigen Strom kaufe. Jahrzehntelang hat sich RWE eine goldene Nase an mir verdient. Vor 25 Jahren hieß es noch, Atomausstieg geht nur durch Boykott, Graswurzelrevolution, Demos und Sitzblockaden. Jetzt stellt die Politik den Schalter um und klack. Weiterlesen →

Schmerzhaft schön

unvergessen

28. Juni 2011 von

Siehst du meine Narben
hier: Tief unter der Brust
schwer verwundet von dem Nichts
mit dem du mich mal trafst. Weiterlesen →

Lyrik

Offenes Buch

27. Juni 2011 von

Regenwolken

ich lese

tagsüber in den Wolken gefüllt voller Regen

Geschichten, welche das Leben dem Menschen gegeben.

nachts in den strahlenden Sternen

bewußt um das Sehen zu erlernen.

Schicksale getragen durch Zeit und den Wechsel des Raumes

lassen Dich fühlen die Tiefe des Traumes.

Berührt und geküsst durch den Wind,

erwache ich wieder als unschuldiges Menschenkind.

zurück auf dem Pfad des Glückes

befreit von den Zwängen des Bühnenstückes!

Autor


Bild: Arielle Kohlschmidt

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