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Absatzsorgen

Morgen welkt der Raps

27. Oktober 2011 von

rapsody in yellow

Klack, klack, klack. Scharf knallt der Hall der Hartholzabsätze meiner mexikanischen Stiefeletten durch die dunkle Straßenschlucht. Es ist früh und es ist kalt und es ist endlich nicht mehr Sommer. Im Sommer kannst Du so früh raus, wie Du willst, immer hat schon jemand ein gute-Laune-Paket aufgerissen und aus dem Fenster seiner erfüllten Träume bunte Kügelchen auf’s Trottoir geschüttet. Immer kriechen erste Sonnenstrahlen dir von hinten über die hängenden Schultern und malen einen Schattenriss deiner schlechten Laune in die morgenwarme Luft.

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Warum wir den Männerbeauftragten brauchen

Schuhe mit 40

25. Oktober 2011 von

Es gibt Körpermerkmale, die in keinem Schwarzbuch der Diskriminierung stehen und Männer dennoch unendlich benachteiligen. Wie Schuhgröße 40. Ich empfinde es eigentlich als keinen Nachteil, dass ich mit einigen Lebensabschnittbegleiterinnen die Schlappen tauschen konnte. Meine Füße sind zierlich aber besitzen einen stolzen und sehr hohen Spann, der meinen Flanken bei Motor Wama diesen gefürchteten Effet verlieh. Trotz ihrer überschaubaren Größe tragen sie mich auch über weite Strecken, bei denen die Lunge pfeift und das Salz die hohe Stirn verklebt. Sie sind also voll funktionstüchtig und hühneraugenfrei. Weiterlesen →

Gastbeitrag

Der Mann der ein Ufo gesehen hat

24. Oktober 2011 von

Obdachloser

Um Elend zu sehen, braucht man nicht in die Slums von Sao Paolo zu fahren. Auch nicht in die Hölle der Blechhüttenstädte von Bombay. Manchmal reicht ein Blick in eine spießige deutsche Kleingartenanlage. Davon gibt es in Görlitz eine ganze Menge, und sie sind ein Spiegel der Alterung, des Verfalls und der Brüche in dieser Stadt. Zu Zeiten der DDR hatte eine Mehrheit der Bürger einen Kleingarten, um Gemüse und Obst anzubauen und natürlich auch um Freizeit in der Gemeinschaft zu verbringen. Damals hatte Görlitz 110000 Einwohner. Heute sind es 57000 – Tendenz fallend. Der Anteil an über 65 Jährigen beträgt hier über 30%. Das bedeutet, dass viele Gärten leer stehen, verwildern und verfallen. Manche Gartenlaube ist einfach so verlassen worden. Ich habe Lauben gesehen, in denen noch der Tisch gedeckt war. Alles war so stehen gelassen worden, als hätte die biblisch angekündigte Entrückung bereits stattgefunden.

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Wetterwechsel

Das Glück der kühlen Tage

20. Oktober 2011 von

Schirmpilze

Seitdem ich denken kann, stehe ich auf Seiten der Mindermeinung. Ich mache das nicht mit Absicht, man will ja niemanden verärgern. Es passiert mir halt. Ständig. Jetzt gerade wieder, als der verregnete Sommer sich beleidigt in sein durchnässtes Kuckuckshäuschen zurückzog. Während alle Welt jammerte und alberne Rudi-Carell-Liedchen zitierte, brauste in meinem Herzen großer Jubel auf. Denn ich liebe den Herbst.

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Wenn die Vernunft auf Reisen ist

Flucht nach Gefühl

19. Oktober 2011 von

Was für ein herrlicher Frühlingstag. Die Sonne kitzelt die Haut, verwöhnt sie, als wollte sie sich für den allzu langen Winter entschuldigen. Eine angenehme Brise weht den Duft von Meer heran. In den Augen der vorüber schmusenden Pärchen ist die Lust selbst hinter den markenimitierten Sonnengläsern zu sehen. Es liegt Sex in der Luft. Weiterlesen →

Gästezimmer

Am Ende der Angst

18. Oktober 2011 von

end of fright

Ich hasse das Leben. Ich hasse es umso mehr, als es mich immer wieder zwingt, es zu lieben. Es ist ein Blick, eine Blüte in einem Asphaltriss, ein Klang, das wunderbare Gefühl außerhalb der Zeit zu stehen, dass einen am Leben hält, nicht die scheinbar “großen” Ereignisse dieses kümmerlichen Daseins.

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Fannys taubenetzte Welt

Ribbonhero

14. Oktober 2011 von

Bier mit Bauch

Das Leben, so wie es sich mir darstellt, ist eigentlich ein seltenes neuseeländisches Blasinstrument. Den ganzen verregneten Sommer lang hatte ich nicht eine meiner gefürchteten Panikattacken. Nun aber packte mich der altweibersommerwarme Herbst im Genick. Wie ein angststarres Karnickel fühlte ich mich durchgeschüttelt und würgte meinen Schweinekrustenbraten hoch. In Bayern wird der Schweinsbraten immer mit Kümmel gemacht. Gut möglich, dass das Würgen davon kam.

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Udo Tiffert

In intakter Umgebung

13. Oktober 2011 von

Starker Mann

Ich betrete eilig meine Fernsehstube, weiß: Sportsendung hat bereits begonnen. In der treten Männer mit ihren Füßen nach einem Ball oder den Füßen des anderen oder spielen beseelt mit Einmal-Berühren, mit Raffinesse, Effet und Mannschaftsgeist begnadete Konter… Mein Sessel freut sich schon auf mich. Ebenso direkt vor’m Sessel der Fußhocker. Ich greife geübt in Richtung Fernbedienung, entdecke aber auf der Fußbank eine Hornisse.

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Kann man so sehen

Eins, Zwei, Drei – Zahlenbrei

12. Oktober 2011 von

Mord

Mord. Tat. Drei Buchstaben. In erster Linie bedeutet Mord gleich Ende. Vier Buchstaben, sowohl als auch. Vordergründig natürlich einem Ziel geschuldet. Das Motiv, der Zweck. Fünf Buchstaben. Und eine Schlagzeile wert, bemisst man diesem einen besonderen Umstand. Zu viele Buchstaben. Weiterlesen →

Danielle Höfler

Die Schritte dagegen

11. Oktober 2011 von

We are all humans.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir

Es ist nicht leicht, ein schwuler Mann in einer Kleinstadt zu sein, besonders in einer, in der Homosexualität von Teilen der Bevölkerung nicht gerne gesehen wird; die dazu tendieren den vermeintlichen Angriff auf christliche Grundwerte beziehungsweise ihre Männlichkeit dementsprechend zu sanktionieren, manchmal auch mit roher Gewalt. Ganz besonders schwer ist es, ein alternder Schwuler in einer solchen Kleinstadt zu sein. Was schon in Großstädten für viele Männer Verzweiflung und Leid bedeutet, führt in Städtchen zur völligen Vereinsamung. Besonders, wenn man einer Generation angehört, in der man sein Schwulsein unter viele aufgesetzte Schichten Kernigkeit verbergen musste, weil Homosexualität als psychische Aberration oder als Verbrechen galt.

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