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Botanik News

Dreifrontenkrieg

5. September 2011 von

Das Land Österreich hat viele schöne Seiten. Doch nicht nur. Es liegt, zum Ärger der vielen Intellektuellen, die dort unbeschwerte Urlaubstage verbringen wollen, stets unter einer geschlossenen Hochnebeldecke. Auch politisch scheint Felix Austria ein unglücklicher Rabe. Die Schatten der braunen Vergangenheit legen sich wie ein steinschwerer Schleier auf das Gemüt der eingeborenen Bevölkerung und lassen wenig Hoffnung keimen. Getränke heißen Hollersaft und Speisen Topfenbatzen. Wer sähe da nicht gleich kurzbehoste Jungpimpfe durch taubenetzte Wiesen wandern mit Rucksäcken voll Landserheftchen.

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Memo an mich

Der Tag vorm Durchstarten

4. September 2011 von

Alles in einem

“Was soll ich tun? Worauf kommt es bei dieser Anstellung vor allem an? Kann mich wer einarbeiten?” “Langsam, langsam, mein Freund. Sie beginnen morgen um 9 Uhr. Sie können auch 8 Uhr 50 da sein, aber da ist vielleicht noch zu; Ihr Vorgänger hat seine Schlüssel noch nicht hergeschickt. Teamsitzung ist 9 Uhr, aber die Bahn von Frau Gregorik-Niedermeier hält erst 9 Uhr 03 am Demianiplatz und ihre 8 Minuten bis hier her braucht sie schon – wir werden alle nicht jünger – dann legt sie den Mantel ab, geht nochmal auf Toilette, was Frauen eben so tun, und sorgt dann für Kaffee.

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Der Text zur Schlacht

Die Geschichte meines Lebens

2. September 2011 von

Auftrag: Schreibe die Geschichte deines Lebens. Gib sie uns. Wir machen daraus das Gemälde und das Foto unseres Lebens. Die Battle II zwischen Malerin Lil Bloom und Fotograf Andrè Schulze basiert also auf einer Kurzgeschichte von mir. Mann, was bin ich stolz. Die Werke der beiden Künstler feiern ihre Premiere im Rahmen der Jazzhappen im Görlitzer Apollo, am 11. September ab 19 Uhr. Damit Ihr Euch schon mal ein eigenes Bild ins Kopfkino zaubern könnt - hier ist die Geschichte, die es zu interpretieren gilt:

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Zurück aus Bullerbü

Die Hölle kann warten

1. September 2011 von

Investor

Vier Wochen können die Hölle sein. Vier Wochen haben wir unsere geliebte Leserschaft nun nicht mit den Ergüssen unserer Gefühlsfedern belästigt und die friedliche Ruhe mag manchem wie warmes Haselnusskompott vorgekommen sein. Die Autoren haben gelitten wie nie. Nun aber, wo der Herbst mit seinen langen Schattenhänden gierig nach den sündigen Sommernächten greift, in denen wir uns nackt und feucht und fiebrig auf den Balkonen liebten, nun kommen wir zurück wie eine Terrakottaarmee auf Hannibals Kriegselephanten.

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Meldungen vom Pausenhof

Wir machen Mon Chérie

31. Juli 2011 von

Wanderer

Wenn die Sommersonne in den Augustmond übergeht und die Hitze der Tage unsere Hormone kochen lässt, bis aus dem blassesten Bürohengst ein feuriger andalusischer Stier wird und selbst die blondkühlen Nordfrauen carmenhafte Züge annehmen, dann verabschiedet sich die in feinste Herkunftsschokolade gehüllte Piemont-Kirsche in die Sommerpause. Wer wollte auch die verschwitzten Schokofinger an seinen Autositzbezügen abgewischt wissen? Nur klug ist es vom Hersteller der beliebten Leckerei, die sich auf Arzthelferinnentresen und in den Aufenhaltsräumen von Krankenschwestern türmt, eine künstliche Knappheit zu erzeugen, die an ihrem routiniert geplanten Ende in den ersten Septembertagen zu Nachholeffekten führt, wie weiland die bittere Not zweier Weltkriege. Weiterlesen →

Nach Norwegen

Wir fühlen mit euch

30. Juli 2011 von

Weniger Grau

“Und wenn dein Freund aus dem Fenster springt, dann springst Du hinterher?!”

Es dürfte eine der Phrasen sein, die Erziehungsverpflichtete am häufigsten gegen Kinder einsetzen. Was will sie uns sagen? Man soll nicht unbedingt immer das machen, was das Idol macht. Man soll seinen eigenen Kopf haben. Man soll sein eigenes Verantwortungsgefühl haben.

Nach einem Attentat, einem Bombenanschlag oder einem Massenmord gilt es, keine Zeit zu verlieren: Innerhalb von 3 bis 4 Stunden muss ein Politiker gefunden werden, der a) die Verschärfung des Waffenrechts, b) die Abschaffung von Paintball, c) das Verbot von Ego-Shootern, d) die Verbannung von Black Metal fordert.

Black Metal ist natürlich gerade in Norwegen ein Thema. Mal ganz ehrlich: Ich habe Burzum und Mayhem auch vor dem 22. Juli 2011 gehört. (Es ist nicht ganz mein Geschmack, ich vermisse etwas Musikalität und Groove.) Aber ist das wirklich die Erklärung? Springt Breivik wirklich deshalb aus dem Fenster, weil einige seiner Landsleute gesungen haben, wie total geil und abgefahren es ist, doch so mal eben aus dem Fenster zu springen? Sollte man die Musik von Amy Whinehouse verbieten, damit junge Menschen sich nicht mehr totsaufen?

Bezeichnend ist ja auch, dass die Kommentatoren in den ersten Stunden nach den Morden, als die Informationen noch spärlich waren und man von einem islamistischen Terroranschlag ausging, prompt auch entsprechende Erklärungen parat hatten. Dann mussten sie kurz darauf auf antiislamistischen Terror umschalten. Je schneller die Erklärung, desto größer das Risiko danebenzuliegen. Bringt uns wieder zur Kritik unserer schnellen Informationsgesellschaft.

Wer einen solchen Massenmord begeht, muss seelisch stark gestört sein, sodass wir ihn nicht mehr verstehen können. So schnell einem “Todesstrafe” oder “300 Jahre Gefängnis” in den Kopf kommen, so muss man doch schnell die Überlegung anstellen, dass das alles nichts bringt und dass die Gesellschaft wohl immer anfällig bleiben wird für wirre Mörder, die irrational handeln. Denn dass die gesamte Bevölkerung alle 2 Jahre einem psychologischen Scan unterzogen wird, der mögliche Täter herausfischt – das wäre dann doch zu nahe dran an “1984”.

Übrigens: Die Forderung nach schärferen Waffengesetzen gab es auch schon 1913. Und ich glaube, seitdem haben sich an den meisten Orten die Waffengesetze ganz schön geändert. Die Trauer, die Wahnsinnstaten verursachen, hat sich nicht geändert.

Bitte lasst uns trauern. Bitte lasst uns Gedanken verschwenden an das Warum und an die Zukunft. Aber lasst uns nicht denselben Automatismus abspulen wie bei den letzten Fällen und irgendwelchen halbgaren Schwachsinn als Problemösung empfehlen, ohne nachgedacht zu haben. Der Artikel von Falk Heunemann spricht es, finde ich, fundiert und richtig aus.

Vielleicht wird sich in zwei Jahren, wenn die Psychologen Herrn Breivik vollständig untersucht und analysiert haben, ein Weg finden, wie man bei Erziehung und Bildung gefährdete und gefährliche Persönlichkeiten erkennen und wie man mit ihnen umgehen kann. Das wäre schon ein Fortschritt. Bis dahin können wir wohl nicht versuchen, das Unfassbare zu erfassen sondern nur sagen: Wir fühlen mit euch.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Speicherplatz

29. Juli 2080 (4) – Behind the wheel

29. Juli 2011 von

Stell Dir vor, Du wirst im Jahr 2080 geboren. Wohin Du gehst, ist nicht mehr eine Frage der Distanz. Das Thema Transport, zu Beginn des Jahrhunderts noch weitgehend eines der treibenden Momente in Forschung und Entwicklung, hat sich zu einem sekundärem Element der Gesellschaft herabgestuft. Nicht das WOMIT steht im Fordergrund. Die Lösung fand sich im WOFÜR. Weiterlesen →

Lernstudio Straße

Für Grillen ist immer Saison

28. Juli 2011 von

Blümchen

Nicht jeder Mensch hat das Glück, wie ich in einer gewissen Abgeschiedenheit von den Strömungen des Zeitgeistes zu leben. So bleibt mir vieles von dem erspart, was Psychoanalysten etwa in Leipzig oder Los Angeles Behandlungstische und Taschen füllt. Die diffuse weibliche Sorge, nicht begehrenswert zu sein, ist hierfür ein beredtes Beispiel. Ebenso wie die Angst in der Blüte ihres Lebens stehender Frauen vor dem Altern. Solche merkwürdigen Gedanken haben in der Provinz keinen Wohnsitz.

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Aus der Geschichte

Schön ist’s, wenn man trotzdem lacht

27. Juli 2011 von

Notgeld

Notgeld

Bilder: Jan Hufenbach

Warenkunde für Warane

Ohne Glutamat ist Thai doch affig

26. Juli 2011 von

Wenn die Zeit gekommen ist, einen Biothaiartikel zu schreiben, muss flugs zum Stift gegriffen werden. Die Biothemen zerinnen einem unter den Fingern wie fetthaltiger Brotaufstrich in der Mittagsglut zum Beispiel auf der Kölner Domplatte. Angeregt durch eine junge, blitzgescheite Journalistin in meiner Wahlheimat hatte ich mich eigentlich dazu entschlossen, für schöne Wörter wie Brotaufstrich eine innere Patenschaft zu übernehmen. Nichts lautes, grelles, das steht mir ja nicht. Nun aber hatte sich das Bild einer Frau Ende Vierzig in meiner Netzhaut eingebrannt, die in ihrem altmodischen Sommerkleidchen vor dem Biothairegal steht und nicht weiß, was sie da soll.

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