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Stimmen im Wind

Der Junge und das Meer (1)

9. Juni 2011 von

„Werde ich dich wiedersehen?“ Der Junge blickt aufs offene Meer, vorbei am türkis-weiß gestreiften Leuchtturm. Er erwartet keine Antwort, als sich eine Stimme aus der Brandung zu ihm aufmacht. „Willst du wirklich wissen, ob du MICH wiedersiehst? Oder bin ich nicht eher ein Symbol für etwas, das dir tausendmal wichtiger ist als ich?“ Der Junge ist verdutzt und ertränkt sein T-Shirt mit dem Dosenbier, das den Mund weit verfehlt. „Woher weißt du das? Du kennst mich doch gar nicht…“, fragt er murmelnd zurück und zündet sich eine Gauloises aus der roten Packung an, weil er hofft, dieses Gespräch würde mindestens eine Zigarettenlänge überleben.

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Ingolf Griewank, Politik

Politiker-Deutsch, Deutsch-Politiker, Teil VI

8. Juni 2011 von

Fussball

Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Analphabetinnen und Analphabeten, denen dieser Text vorgelesen wird,
Liebe Menschinnen und Menschen,
Liebe nichtmenschliche Wesenheiten in der Milchstraße und den angrenzenden Galaxien,

Alt-Bundeskanzler Kohl hat es einmal so ausgedrückt: “Die Wirklichkeit stellt sich häufig anders dar als die Realität.”

Dem kann ich mich nur anschließen und in diesem Sinne den letzten Teil meines Lexikons vorlegen.

Lexikon: [A-C] [D-E] [E-J] [K-M] [N-S] [S-Z]

Schnellschuss
Hat mein politischer Gegner tatsächlich mal ein fertiges, gutes Konzept auf den Tisch gelegt, bin ich Zugzwang und muss Zeit gewinnen, bis meine Experten es auseinandergenommen haben. Deshalb betone ich, dass dieser Schnellschuss nicht zielführend ist, das Vorpreschen des Gegners ohnehin handwerklich schlecht gemacht, sozial unausgewogen und verfassungsrechtlichen Bedenken begegnet. Überhaupt sollte mein politischer Gegner (natürlich auch Griechenland) erst einmal seine Hausaufgaben machen, bevor er realitätsfern und verantwortungslos in blanken Aktionismus verfällt, eine mit heißer Nadel gestrickte Mogelpackung zusammenschnürt, mit der er bei den Wählern vollkommen überzogene Erwartungen weckt und damit unserem Land schadet! Weiterlesen →

Brutpflege

Ein Nest voller Wahnsinn

7. Juni 2011 von

 

da sitz ich hier ganz still und leise

um mich herum nur Zahlenkreise

 

mein Vogel pauscht sich auf – spricht zu mir

Wirrwarr im Kopf voller Getier

 

und eh ich mich versehe

im Strudel des Wahnsinn´s stehe

 

der eine Vogel – der reicht nicht mehr

es müssen noch weitere ganz schnell her

 

so brütet mein Vogel schon wieder was aus

neue Ideen schlüpfend – drängen sich in die Welt hinaus

 

der Wahnsinn vor niemand macht HALT

in die Umlaufbahn geht – gewaltig – bis es knallt

Ich empfehle

Bus fahren

6. Juni 2011 von

Bus

Ich fahre Bus. Nicht etwa in in der Türkei, in Thailand oder Berlin. Auch nicht mit den Fernlinien-Bussen – wie zum Beispiel von Berlin in die Masuren. Ich fahre auf dem Land Bus – von einem Dorf in ein anderes und auch in kleine Städte. Das ist für die meisten in etwa so absurd, als wenn man in Berlin sagt: Ich laufe von Kreuzberg nach Pankow, was übrigens, wie ich aus eigener Erprobung weiß, sehr interessant sein kann. So ist es auch mit dem Bus fahren.

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Einer geht

A b s c h i e d

3. Juni 2011 von

claus.bye

Ich will nicht mehr. Ich verlasse kostblog. Na und ?

Soll er doch gehen – aber bitte leise.

Ich will es erklären. Die virtuelle Welt, ob nun Blog, E-mail oder gar Facebook ist nicht meine Welt. Sie ist ein Menetekel für den Untergang persönlicher Kommunikation – man nannte es früher “Gespräch”. Jeder, der mich jetzt Dinosaurier nennt, mich als hoffnungslos altmodisch bezeichnet, adelt mich.

Ich verlasse diese falsche Realität und wende mich wieder dem “Gegenüber” zu, dem, der nicht richtig zuhört, in der Nase bohrt, wenn ich mich mit ihm unterhalte, mich dabei unterbricht, dazwischenredet und schließlich der Konversation die Krone aufsetzt mit dem Satz:” was haben Sie da gerade gesagt?” Ich kann mein “Gegenüber” anfassen – ich kann ihm sogar meine fünf Finger der rechten Hand auf seiner arroganten Wange hinterlassen.

Im Grunde ist die virtuelle Welt menschenverachtend. Warum?

Jeder schüttet seinen persönlichen Müll ins Netz. Ein Ablasswesen der falsch verstandenen Kommunikation. Damit ist es getan, keinen stört es und keiner ist aufgefordert, in einen Diskurs zu treten, erwartet wird so gut wie gar nichts. Das Niveau der Kommentare im Blog zeigt eine Blutspende, um die “Originalität” der Kommentierung in Notfällen am Leben zu erhalten.

Das Weltgeschehen – oder auch nur die regionale Unruhe in unseren deutschen Landen – wird fast total ausgeblendet, bleibt im Blog vor der Tür. Es gibt keine Debatte über Japan, die AKW Problematik, über den gekillten Bin Laden – auch keine über die hierzu von dieser sogenannten Bundeskanzlerin getätigten unbotmäßigen Äußerungen – über die Veränderungen in unser Gesellschaft im allgemeinen oder wenigstens über die Schamlosigkeit der Lügerei eines verkommenen Adeligen, der allenfalls ein Plagiat des alten Adels darstellt. Nichts zu diesen und anderen Themen dieser Art. Ich bin ein Mensch, dem das Einfach-so-hinnehmen fremd ist, die Kritik an gesellschaftlichen und politischen Zuständen ist mir immanent, sie gehört zu meinem Leben. Hier finde ich in der kleinen, rotgeränderten Augenwelt der Blogger nichts, eine weltabgewandte Welt, in der nur der Bildschirm des Computers zählt, wobei gleichzeitig eine überwiegend negative Einstellung zum Fernsehen propagiert wird, ohne sich eigentlich darüber ein Urteil erlauben zu können.

Mir graust vor dieser Einseitigkeit, der auch mit dem zunehmenden Verfall sozialer Strukturen einhergeht. Zugegeben, es gab gute und sogar gute Beiträge im kostblog. Zumeist betrafen sie aber wieder eigene Befindlichkeiten oder besser: persönliches Magengrimmen, Selbstgespräche, die unbedingt belauscht werden sollten, Tagebuchaufzeichnungen, die aufforderten von Unbefugten gelesen zu werden.

Die Welt der Blogger ist eine arme, neugierige Welt, die das Alleinsein als die eigentliche Todsünde unserer Zeit geißelt. Ihre Steigerung ist das “Facebook”, diese inhaltsleere Anbiederung um “Freunde” zu gewinnen. Diese Einrichtung ist erlaubter Diebstahl der Individualität, eine Entwertung des Menschen. Sie stellt eine Verhurerei der Begriffe Freundschaft, Zuneigung, Hinwendung dar, ein Abort für verbale Blähungen. Der Computer frisst euch. Er frisst, was er kriegen kann: dein Gehirn, deinen Verstand, deine Seele.

Ich bin sicher, dass kaum einem heute auch nur annähernd die soziologischen Verwerfungen bewusst ist, die diese Abhängigkeit von einer virtuellen Welt in der Zukunft mit sich bringen werden.

Warten wir es ab – viel Spaß dabei bis dahin.

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Bild: Annett Gernhardt

An einem Tag wie heute

wo anders

31. Mai 2011 von

Wo andere fragend Zeichen haben
liest du in meinem Buch
Wo andere sehn wie Schlüssel nur
steht offen dir mein Tor
Wo andere nah nie Nähe finden
bist du auch auf dem Mars bei mir.

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Aus dem Leben eines Haubentauchers

Lipgloss und Vietnam

30. Mai 2011 von

Nach dem überraschenden Wiederaufflackern meiner eigentlich schon zu Ende geglaubten schriftstellerischen Karriere stellten sich mir im Wesentlichen zwei Fragen. Aus welchem Brunnen der Banalität könnte ich weitere Themen schöpfen, die geeignet schienen, den unersättlichen Hunger der wie Dürstende in der Wüste an meinen Lippen hängenden Gemeinde von Jüngern, Verehrern und Abhängigen Schnappwurst vor die Mäuler zu werfen? Und was sollte ich zweitens mit dem Geld machen? In materiellen Dingen hatte ich mich über all die Jahre der Entbehrung in meiner selbstgewählten Nische der Intellektualität auf ein erstaunlich asketisches Niveau herabgeschraubt.

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Vom Wassertreten und Geschichtsschreiben

Kneippen mit der SS

27. Mai 2011 von

Eisstacheln

Zum Anbaden ist es zu früh mokiere ich streng gegenüber meiner Freundin. Das Wasser ist arschkalt! Sie überredet mich wenigstens die Hose hochzukrempeln und Wasser tretend die Ufer der Neiße zu erkunden. Gesagt getan – Wir kneippen schießt es mir durch den Kopf. Wir fördern die Blutzirkulation der unteren Extremitäten und so fließt und perlt mein Gedankenstrom von den Extremitäten zu den „Extremen“ in Sachen Kneipp. Zu Unausgesprochenem und Unappetitlichem. Wenn der selige Priester Sebastian Kneipp nur geahnt hätte, was und vor allem wer mit seinem Erbe umgeht. Hier also die Geschichte – Eine Erstveröffentlichung.

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Wachkoma

Der Schuh, den ich mir anzog

26. Mai 2011 von

Büroteddy

RRRRRRRRRRRR – Wecker ruft zum Appell – steh endlich auf! Taumelnd – Augen noch geschlossen – bewege ich mich ins Bad und wasche den tiefen, tiefen Schlaf aus meinem Gesicht. Nachdem ich nach der täglichen halben Stunde “Beauty Salon” nun in meinem Traummobil mit 90 PS sitze, kann ich mich kaum noch daran erinnern, was ich alles in dieser flüchtigen halben Stunde gemacht oder eben nicht gemacht habe. Erst jetzt auf dem Schleudersitz meines Gefährten gefesselt wird mir das klar und mein für einen kurzen Moment aufgeschrecktes Gehirn signalisiert mir, mich doch mal selbst zu fragen ob ich meinen Kaffee tatsächlich getrunken, die Unterwäsche richtig rum an, die Haustüre zu und die Schuhe angezogen habe. Doch zu spät – der Zug mit meiner Kurzzeiterinnerung ist bereits gen “Nimmerwiedersehen” abgefahren.

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Aus meiner Zeit am Set

Schöne Schuhe

25. Mai 2011 von

Lange schon hatte ich mir vorgenommen, mich in einer meiner beliebten Kolumnen mit dem Nischenthema Schuhkauf zu beschäftigten. Die stetig sinkenden Zugriffszahlen auf von mir verfasste Artikel ist mir nun gleichermaßen Inspiration wie Motor, um Geist und im rasenden Tempo über die schmeichelnd glatte Oberfläche der Tastatur rasende Fingerkuppen anzutreiben. Ein im irrwitzigen Stakkato zuckendes Feuerwerk erinnerter Augenblicke aus meiner Schuhkäuferkarriere will sorgfältig sortiert werden, um keinen Aspekt aus- und keinen noch so dunklen Winkel dieses weitläufigen Themas unbeleuchtet zu lassen.

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