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Frische Luft schnappen

Eine Sekunde Leben

13. September 2011 von

Es gibt Tage, an denen stolpert Holger über seine eigene Unterlippe. Er spricht mit niemand. Nicht einmal mit sich. Der strahlend blaue Himmel ist wolkenverhangen. Sein Selbstmitleid besäuft sich mit Kümmerling. Das macht Durst. Weiterlesen →

Warum Österreich fast den Anschluss verpasste

Ohne Nockerln sterben

9. September 2011 von

Zu sterben, ohne in Salzburg gewesen zu sein, ist keine Last. Sicher wäre auch Schleedorf – ein kleiner verträumter Fleck inmitten von duftenden Heublumenwiesen – keine beschwerliche Anreise über gischtgurgelnde Meerengen wert, aber immerhin hat Schleedorf eine Käseerlebniswelt mit Verkostungsmöglichkeit und Gummieutern. An letzteren kann der entwöhnte Städter sich sanft zurücktasten zum starken Busen von Mutter Natur, der aus vielen von uns erst das gemacht hat, was wir heute als Wirtschaftslenker, Flugzeugpilot oder Mandatsträger sind.

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Dicke Luft im Hause Schreiber

Nach dem Abendbrot

7. September 2011 von

Herr Schreiber schaut auf die Uhr. Gleich 8. Höchste Zeit. Er stellt das Abendbrot auf den Tisch aus Buche. Zwei kross getoastete Scheiben Schwarzbrot, eine kleine Auswahl an Schafskäse, getrockneten Tomaten und Parmesan. Dazu stilles Wasser. Passt gut zur Stimmung am Tisch. Es ist bedrückend leise. Nur das knackende Brot ist zu hören. Der Enddreißiger schaut auf seinen Laptop. Facebook. F5. Nichts neues, was ihn berührt. Klappe zu. Er zieht den Stecker und knabbert weiter an seinem Brot. Weiterlesen →

Moderieren in Demut

Ish bin ein Bearleener

6. September 2011 von

der letzte Bildschirm

Ich mag das Heute-Journal. Nicht, weil es aus meiner Sicht aktuell sein soll. Auch nicht so sehr aus dem Grund der ihm unterstellten Objektivität einer öffentlich-rechtlichen GEZ-Bedürfnisstelle. Es sind eher das allgemeine Erscheinungsbild und natürlich die spätabendliche Sendezeit, welche mich als fast Vierzigjährigen ansprechen. Weiterlesen →

Botanik News

Dreifrontenkrieg

5. September 2011 von

Das Land Österreich hat viele schöne Seiten. Doch nicht nur. Es liegt, zum Ärger der vielen Intellektuellen, die dort unbeschwerte Urlaubstage verbringen wollen, stets unter einer geschlossenen Hochnebeldecke. Auch politisch scheint Felix Austria ein unglücklicher Rabe. Die Schatten der braunen Vergangenheit legen sich wie ein steinschwerer Schleier auf das Gemüt der eingeborenen Bevölkerung und lassen wenig Hoffnung keimen. Getränke heißen Hollersaft und Speisen Topfenbatzen. Wer sähe da nicht gleich kurzbehoste Jungpimpfe durch taubenetzte Wiesen wandern mit Rucksäcken voll Landserheftchen.

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Memo an mich

Der Tag vorm Durchstarten

4. September 2011 von

Alles in einem

“Was soll ich tun? Worauf kommt es bei dieser Anstellung vor allem an? Kann mich wer einarbeiten?” “Langsam, langsam, mein Freund. Sie beginnen morgen um 9 Uhr. Sie können auch 8 Uhr 50 da sein, aber da ist vielleicht noch zu; Ihr Vorgänger hat seine Schlüssel noch nicht hergeschickt. Teamsitzung ist 9 Uhr, aber die Bahn von Frau Gregorik-Niedermeier hält erst 9 Uhr 03 am Demianiplatz und ihre 8 Minuten bis hier her braucht sie schon – wir werden alle nicht jünger – dann legt sie den Mantel ab, geht nochmal auf Toilette, was Frauen eben so tun, und sorgt dann für Kaffee.

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Der Text zur Schlacht

Die Geschichte meines Lebens

2. September 2011 von

Auftrag: Schreibe die Geschichte deines Lebens. Gib sie uns. Wir machen daraus das Gemälde und das Foto unseres Lebens. Die Battle II zwischen Malerin Lil Bloom und Fotograf Andrè Schulze basiert also auf einer Kurzgeschichte von mir. Mann, was bin ich stolz. Die Werke der beiden Künstler feiern ihre Premiere im Rahmen der Jazzhappen im Görlitzer Apollo, am 11. September ab 19 Uhr. Damit Ihr Euch schon mal ein eigenes Bild ins Kopfkino zaubern könnt - hier ist die Geschichte, die es zu interpretieren gilt:

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Zurück aus Bullerbü

Die Hölle kann warten

1. September 2011 von

Investor

Vier Wochen können die Hölle sein. Vier Wochen haben wir unsere geliebte Leserschaft nun nicht mit den Ergüssen unserer Gefühlsfedern belästigt und die friedliche Ruhe mag manchem wie warmes Haselnusskompott vorgekommen sein. Die Autoren haben gelitten wie nie. Nun aber, wo der Herbst mit seinen langen Schattenhänden gierig nach den sündigen Sommernächten greift, in denen wir uns nackt und feucht und fiebrig auf den Balkonen liebten, nun kommen wir zurück wie eine Terrakottaarmee auf Hannibals Kriegselephanten.

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Meldungen vom Pausenhof

Wir machen Mon Chérie

31. Juli 2011 von

Wanderer

Wenn die Sommersonne in den Augustmond übergeht und die Hitze der Tage unsere Hormone kochen lässt, bis aus dem blassesten Bürohengst ein feuriger andalusischer Stier wird und selbst die blondkühlen Nordfrauen carmenhafte Züge annehmen, dann verabschiedet sich die in feinste Herkunftsschokolade gehüllte Piemont-Kirsche in die Sommerpause. Wer wollte auch die verschwitzten Schokofinger an seinen Autositzbezügen abgewischt wissen? Nur klug ist es vom Hersteller der beliebten Leckerei, die sich auf Arzthelferinnentresen und in den Aufenhaltsräumen von Krankenschwestern türmt, eine künstliche Knappheit zu erzeugen, die an ihrem routiniert geplanten Ende in den ersten Septembertagen zu Nachholeffekten führt, wie weiland die bittere Not zweier Weltkriege. Weiterlesen →

Nach Norwegen

Wir fühlen mit euch

30. Juli 2011 von

Weniger Grau

“Und wenn dein Freund aus dem Fenster springt, dann springst Du hinterher?!”

Es dürfte eine der Phrasen sein, die Erziehungsverpflichtete am häufigsten gegen Kinder einsetzen. Was will sie uns sagen? Man soll nicht unbedingt immer das machen, was das Idol macht. Man soll seinen eigenen Kopf haben. Man soll sein eigenes Verantwortungsgefühl haben.

Nach einem Attentat, einem Bombenanschlag oder einem Massenmord gilt es, keine Zeit zu verlieren: Innerhalb von 3 bis 4 Stunden muss ein Politiker gefunden werden, der a) die Verschärfung des Waffenrechts, b) die Abschaffung von Paintball, c) das Verbot von Ego-Shootern, d) die Verbannung von Black Metal fordert.

Black Metal ist natürlich gerade in Norwegen ein Thema. Mal ganz ehrlich: Ich habe Burzum und Mayhem auch vor dem 22. Juli 2011 gehört. (Es ist nicht ganz mein Geschmack, ich vermisse etwas Musikalität und Groove.) Aber ist das wirklich die Erklärung? Springt Breivik wirklich deshalb aus dem Fenster, weil einige seiner Landsleute gesungen haben, wie total geil und abgefahren es ist, doch so mal eben aus dem Fenster zu springen? Sollte man die Musik von Amy Whinehouse verbieten, damit junge Menschen sich nicht mehr totsaufen?

Bezeichnend ist ja auch, dass die Kommentatoren in den ersten Stunden nach den Morden, als die Informationen noch spärlich waren und man von einem islamistischen Terroranschlag ausging, prompt auch entsprechende Erklärungen parat hatten. Dann mussten sie kurz darauf auf antiislamistischen Terror umschalten. Je schneller die Erklärung, desto größer das Risiko danebenzuliegen. Bringt uns wieder zur Kritik unserer schnellen Informationsgesellschaft.

Wer einen solchen Massenmord begeht, muss seelisch stark gestört sein, sodass wir ihn nicht mehr verstehen können. So schnell einem “Todesstrafe” oder “300 Jahre Gefängnis” in den Kopf kommen, so muss man doch schnell die Überlegung anstellen, dass das alles nichts bringt und dass die Gesellschaft wohl immer anfällig bleiben wird für wirre Mörder, die irrational handeln. Denn dass die gesamte Bevölkerung alle 2 Jahre einem psychologischen Scan unterzogen wird, der mögliche Täter herausfischt – das wäre dann doch zu nahe dran an “1984”.

Übrigens: Die Forderung nach schärferen Waffengesetzen gab es auch schon 1913. Und ich glaube, seitdem haben sich an den meisten Orten die Waffengesetze ganz schön geändert. Die Trauer, die Wahnsinnstaten verursachen, hat sich nicht geändert.

Bitte lasst uns trauern. Bitte lasst uns Gedanken verschwenden an das Warum und an die Zukunft. Aber lasst uns nicht denselben Automatismus abspulen wie bei den letzten Fällen und irgendwelchen halbgaren Schwachsinn als Problemösung empfehlen, ohne nachgedacht zu haben. Der Artikel von Falk Heunemann spricht es, finde ich, fundiert und richtig aus.

Vielleicht wird sich in zwei Jahren, wenn die Psychologen Herrn Breivik vollständig untersucht und analysiert haben, ein Weg finden, wie man bei Erziehung und Bildung gefährdete und gefährliche Persönlichkeiten erkennen und wie man mit ihnen umgehen kann. Das wäre schon ein Fortschritt. Bis dahin können wir wohl nicht versuchen, das Unfassbare zu erfassen sondern nur sagen: Wir fühlen mit euch.

Bild: Arielle Kohlschmidt

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