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Rätselhaftes

Treckertreffen

23. Juni 2011 von

Traktor

Treckertreffen in Klein Priebus – das sind drei Tage satte Motoren, drei Tage Dieselgeruch und drei Tage begeisterte Männer und noch begeistertere Traktorenbesitzer.
Ganz anders als auf einem Country- oder Hardrockfest übrigens. Wo allesamt so anders als in ihrem Alltag sind, Schlammcatchen den Höhepunkt des Abends bildet neben einer gehörigen Prügelei und der üble Geruch von Sex mit fremden Menschen auf dem Dixie-Klo in der Luft hängt. Das Treckertreffen ist ein Familienfest. Mann und Frau und Kind und Kegel reisen an, wie wir sie kennen und mögen. Es gibt Technik für die Männer, Gespräche und Kuchen für die Frauen, eine Bauernolympiade und natürlich Trecker fahren für die Kinder.

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Lebensweisen

Von einer üblen Nacht und dem Tag danach

22. Juni 2011 von

Affen, kuscheln, Zoo

Drei Variationen einer lasterhaften Nacht

VIELLEICHT SO?

Sichtlich nicht dem Gott gedacht der da in mir nächtens wacht
Führte mich der Liebe Los in der Liebsten heilig Schoß
So der Sinne längst verführt hat sie meine Lust berührt
Als der Morgen mich da rief während sie noch weiterschlief

HOFFENTLICH NICHT SO!

Sichtlich nicht dem Gott gedacht der da in mir nächtens wacht
Führte mich des Dranges Los in der Dirne heißen Schoß
So vom Wahnsinn längst verführt hab ich ihr die Kehl’ geschnürt
Als der Morgen mich da rief während sie für immer schlief

DANN LIEBER DOCH NUR SO.

Sichtlich über Gott gelacht der da nächtens einen kracht
Führte ihn sein schlimmes Los in der Wirtschaft düstren Schoß
So der Sinne längst verkommen hab ich ihn dann mitgenommen
Und bei mir in meinem Haus soff er sich den Teufel aus



Kurvenlage

Die Sache mit der Schachtel

21. Juni 2011 von

Hängt er oder steht er

Das Leben, sagt mein lieber alter Freund Forrest Gump, sei wie eine Schachtel Pralinen. Man wisse nie, was man bekommt. Nun sind zwar Pralinen und anderes Naschwerk für mich aufgrund meiner verzweifelten Anstrengungen, der Alterskorpulenz entgegenzuwirken, total tabu. Aber das Bild mit der Schachtel mag ich trotzdem. Aller zehn Jahre – aller sagt man hier, wo ich grad lebe – aller zehn Jahre also habe ich bisher steile Kurven in meine Lebenslinie eingebaut. Vielleicht war es auch andersrum.

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Lyrik

vom Bestehen einer Freundschaft

20. Juni 2011 von

freundschaft
 

Es wird niemals mehr das Gleiche sein

Wunden lecken – trocknendes Blut schmecken

Schuld Dein oder Mein?

der Klügere gibt nach – doch will ich dieser sein?

verdrängte Empfindungen suchen Dich im Schlafe heim

ja – nein – will nicht mehr – oder doch?

Lichtblickt – Sehnsucht – Versöhnungskeim?

Erwartungen sollten dem Verständnis weichen

will ich zeigen Flagge weiß als Zeichen?

Wie oft muss man diesen Weg gehen

um in einer Freundschaft zu bestehen?


Bild: Annett Gernhardt

Lyrik

Nackte Angst

17. Juni 2011 von

Himmels.Feder

Einzelne Feder schwimmt im Zick-zack auf die Erde nieder
Böse Vorahnung küsst meine weit offenen Augen
Unruhe naht – nackte Angst durchströmt meine Glieder
Hitzige Gänsehaut – keine Luft – Poren eiskalt saugen

 

Ohrenbetäubender Knall – Aufprall – Engel vom Himmel gefallen
starre ich auf ihn herab – Schock – gelähmt und benommen
Noch apathisch – lauschen – Schreie von fern zu mir hallen
Ist die Zeit für uns gekommen – alle Hoffnung uns genommen


Bild: Annett Gernhardt

Sie erwartet ein Märchen

Dornröschen und der Typ mit dem Schwert

16. Juni 2011 von

Dü-Dü-Dü-Dü. Der Rechner sagt sachlich „Gute Nacht“. Ein letzter Blick auf das Mobile. Keine Nachricht. Geschafft vom Tagwerk krabbelt sie in ihr Bett und kuschelt sich so eng wie möglich an sich selbst. Die Augen fallen zu und die Phantasie geht auf Reisen.

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EHEC-Erreger identifiziert

Willkommen in Warnland

15. Juni 2011 von

warnschild

Ich finde ja, man müsste insgesamt mehr warnen. Finden Sie das nicht auch? Eine Kolumne, die so beginnt, liebe Freunde, zeugt von ungeheurer und geradezu kaltblütiger Finesse des Kolumnisten. Der Leser wird nolens volens in die sogenannte Story gezogen wie das ausfallende Haar in den Strudel des Duschabflusses. Zählt man nach, sind dem Autor bis hierhin mindestens drei schwerwiegende journalistische Fehler unterlaufen, drei Fehler mit fatalen Folgen. Das peinliche Zitieren aus der “Liste lateinischer Phrasen” ist davon noch der geringste.

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Daniel Elsner, Politik

Oppositionsgespräche

13. Juni 2011 von

 

Gespräch unter Abgeordneten

 

„Na, Herr  Oppositionsführer, wie geht es?“

„Gut, Danke der Nachfrage“

„Apropos, Nachfrage. Kennen Sie die Ergebnisse der neuesten Umfrage?“

„Welcher Umfrage?“

„Der nach den gewünschten Koalitionsmöglichkeiten aus Sicht der Wähler.“

„Ach die meinen Sie.“

„Und was halten Sie davon?“

„Ehrlich gemeint? Wenig!“

„Als gewählter Vertreter des Volkes?“

„Als gewählter Vertreter meiner Partei!“

„Die dem Volke ja nicht sehr nahe steht.“

„Wie Sie den Spenden nicht sehr entfernt stehen.“

„Von denen Sie immer meinen, sie stünden Ihnen zu?“

„Sie stünden dem Spendenbedürftigen zu!”

„Nennen Sie jemanden, der mit Ihnen koaliert anders?“

„Nicht unbedingt. Deswegen stehen wir Ihnen ja so nahe.“

„Übrigens, wo wir hier grad stehen. Wohin wollen Sie eigentlich an einem sitzungsfreien Tag.“

„Zur Regierungskoalition.“

„Zur Koalition? Entscheidet die über einen neuen Haushalt?“

„Nein, über eine neue Koalition.“

„Oh, dass trifft sich ja gut, dann haben wir das gleiche Ziel.“

„Wie so oft in der Politik.“

„Sie sagen es.“

Feiern

Was brennt

11. Juni 2011 von

Mädchenl

Oh Mann. Geburtstag. Brennende Kerzen und Torten, Glückwünsche links und rechts. Die Geschenke nicht zu vergessen. Geburtstage mag jeder, ja?

Ich nicht.

Ein paar Tage vor meinem Geburstag tauche ich ab. Jahr für Jahr. Ich stelle das Telefon ab, schalte das Handy aus und lösche meine Daten aus meinen sozialen Netzwerken. Und dann gehe ich dahin, wo bestimmt keiner weiss, dass ich Geburtstag habe. Ich will keine Glückwünsche, und ich will auch kein Happy Birthday hören.

Eigentlich will ich an diesem Tag lieber abrechnen, mit jemanden, den ich nicht kenne, den ich noch nie gesehen oder gehört habe, und von dem ich auch nur den Vornamen weiss.

Ich will mit dem Menschen abrechnen, der mich auf die Welt gebracht hat und dann gegangen ist. Den es nicht interessiert hat, was aus mir wird, ob ich glücklich werde, oder unglücklich, ob ich gesund bin oder krank, ob ich Glück habe oder Pech. Der nicht da war, als ich mir die Knie aufgeschürft habe, den ersten Liebeskummer hatte, meine Abschlussprüfungen ablegte. Weil der Beruf wichtiger war, sagen die Akten. Weil ich nicht erwünscht war, sagt mein Herz.

Ich möchte mich an diesem Tag vor alle kleinen Menschen stellen, denen Leid angetan wird, die abgelehnt oder verstoßen werden, die als störend empfunden werden. Und mit ihnen rosa Zuckerwatte essen und Karussel fahren und Luftballons in den Himmel steigen lassen, an denen kleine Zettel hängen mit den kleinen und großen Wünschen.

Auf meinem stünde: “Ich will einmal Geburtstag feiern”.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Alles klar

Der Junge und das Meer (2)

10. Juni 2011 von

(Teil 1)

„Ich wollte ihr keine einzige Träne mehr schenken.“ Der Junge ist wütend auf sich selbst. Und er verflucht den vorüberziehenden Fluss, an dem er gerade hockt, weil er keine Wellen schlägt wie das geliebte Meer. „Habe ich es dir nicht gesagt?“, hört er plötzlich eine vertraute Stimme fragen. „DU? Aber…“ „Jaja. Du dachtest, ich wäre das Meer. Und nur das Meer.“ „Bist du nicht?“ Der Junge wischt sich verschämt das letzte Heulwasser aus den Lidern, murmelt „Scheiss Heuschnupfen!“ und kramt in seiner H&M-Tasche nach der Kippenschachtel. „Ach, du rauchst gar keine Gauloises mehr?“, fragt der Fluss. „Warum nicht?“ Mit der glimmenden Zigarette im Mundwinkel überlegt der Junge einen Augenblick. „Ich glaube, ich möchte gern alles vergessen, was mit dem Mädchen zu tun hat. Deshalb bin ich umgestiegen.“ Der Fluss grölt: „Und: Macht dich die neue Sorte zu einem Lucky Guy? Oder hast du weniger Sehnsucht, nur weil du ihre Fotos versteckst? Denk mal darüber nach und komm dann wieder her. Ich werde da sein.“ Der Junge ruft verzweifelt: „Warte noch. Wer bist du?“ Es bleibt still. Weiterlesen →

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