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Sie erwartet ein Märchen

Dornröschen und der Typ mit dem Schwert

16. Juni 2011 von

Dü-Dü-Dü-Dü. Der Rechner sagt sachlich „Gute Nacht“. Ein letzter Blick auf das Mobile. Keine Nachricht. Geschafft vom Tagwerk krabbelt sie in ihr Bett und kuschelt sich so eng wie möglich an sich selbst. Die Augen fallen zu und die Phantasie geht auf Reisen.

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EHEC-Erreger identifiziert

Willkommen in Warnland

15. Juni 2011 von

warnschild

Ich finde ja, man müsste insgesamt mehr warnen. Finden Sie das nicht auch? Eine Kolumne, die so beginnt, liebe Freunde, zeugt von ungeheurer und geradezu kaltblütiger Finesse des Kolumnisten. Der Leser wird nolens volens in die sogenannte Story gezogen wie das ausfallende Haar in den Strudel des Duschabflusses. Zählt man nach, sind dem Autor bis hierhin mindestens drei schwerwiegende journalistische Fehler unterlaufen, drei Fehler mit fatalen Folgen. Das peinliche Zitieren aus der “Liste lateinischer Phrasen” ist davon noch der geringste.

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Daniel Elsner, Politik

Oppositionsgespräche

13. Juni 2011 von

 

Gespräch unter Abgeordneten

 

„Na, Herr  Oppositionsführer, wie geht es?“

„Gut, Danke der Nachfrage“

„Apropos, Nachfrage. Kennen Sie die Ergebnisse der neuesten Umfrage?“

„Welcher Umfrage?“

„Der nach den gewünschten Koalitionsmöglichkeiten aus Sicht der Wähler.“

„Ach die meinen Sie.“

„Und was halten Sie davon?“

„Ehrlich gemeint? Wenig!“

„Als gewählter Vertreter des Volkes?“

„Als gewählter Vertreter meiner Partei!“

„Die dem Volke ja nicht sehr nahe steht.“

„Wie Sie den Spenden nicht sehr entfernt stehen.“

„Von denen Sie immer meinen, sie stünden Ihnen zu?“

„Sie stünden dem Spendenbedürftigen zu!”

„Nennen Sie jemanden, der mit Ihnen koaliert anders?“

„Nicht unbedingt. Deswegen stehen wir Ihnen ja so nahe.“

„Übrigens, wo wir hier grad stehen. Wohin wollen Sie eigentlich an einem sitzungsfreien Tag.“

„Zur Regierungskoalition.“

„Zur Koalition? Entscheidet die über einen neuen Haushalt?“

„Nein, über eine neue Koalition.“

„Oh, dass trifft sich ja gut, dann haben wir das gleiche Ziel.“

„Wie so oft in der Politik.“

„Sie sagen es.“

Feiern

Was brennt

11. Juni 2011 von

Mädchenl

Oh Mann. Geburtstag. Brennende Kerzen und Torten, Glückwünsche links und rechts. Die Geschenke nicht zu vergessen. Geburtstage mag jeder, ja?

Ich nicht.

Ein paar Tage vor meinem Geburstag tauche ich ab. Jahr für Jahr. Ich stelle das Telefon ab, schalte das Handy aus und lösche meine Daten aus meinen sozialen Netzwerken. Und dann gehe ich dahin, wo bestimmt keiner weiss, dass ich Geburtstag habe. Ich will keine Glückwünsche, und ich will auch kein Happy Birthday hören.

Eigentlich will ich an diesem Tag lieber abrechnen, mit jemanden, den ich nicht kenne, den ich noch nie gesehen oder gehört habe, und von dem ich auch nur den Vornamen weiss.

Ich will mit dem Menschen abrechnen, der mich auf die Welt gebracht hat und dann gegangen ist. Den es nicht interessiert hat, was aus mir wird, ob ich glücklich werde, oder unglücklich, ob ich gesund bin oder krank, ob ich Glück habe oder Pech. Der nicht da war, als ich mir die Knie aufgeschürft habe, den ersten Liebeskummer hatte, meine Abschlussprüfungen ablegte. Weil der Beruf wichtiger war, sagen die Akten. Weil ich nicht erwünscht war, sagt mein Herz.

Ich möchte mich an diesem Tag vor alle kleinen Menschen stellen, denen Leid angetan wird, die abgelehnt oder verstoßen werden, die als störend empfunden werden. Und mit ihnen rosa Zuckerwatte essen und Karussel fahren und Luftballons in den Himmel steigen lassen, an denen kleine Zettel hängen mit den kleinen und großen Wünschen.

Auf meinem stünde: “Ich will einmal Geburtstag feiern”.

Bild: Arielle Kohlschmidt

Alles klar

Der Junge und das Meer (2)

10. Juni 2011 von

(Teil 1)

„Ich wollte ihr keine einzige Träne mehr schenken.“ Der Junge ist wütend auf sich selbst. Und er verflucht den vorüberziehenden Fluss, an dem er gerade hockt, weil er keine Wellen schlägt wie das geliebte Meer. „Habe ich es dir nicht gesagt?“, hört er plötzlich eine vertraute Stimme fragen. „DU? Aber…“ „Jaja. Du dachtest, ich wäre das Meer. Und nur das Meer.“ „Bist du nicht?“ Der Junge wischt sich verschämt das letzte Heulwasser aus den Lidern, murmelt „Scheiss Heuschnupfen!“ und kramt in seiner H&M-Tasche nach der Kippenschachtel. „Ach, du rauchst gar keine Gauloises mehr?“, fragt der Fluss. „Warum nicht?“ Mit der glimmenden Zigarette im Mundwinkel überlegt der Junge einen Augenblick. „Ich glaube, ich möchte gern alles vergessen, was mit dem Mädchen zu tun hat. Deshalb bin ich umgestiegen.“ Der Fluss grölt: „Und: Macht dich die neue Sorte zu einem Lucky Guy? Oder hast du weniger Sehnsucht, nur weil du ihre Fotos versteckst? Denk mal darüber nach und komm dann wieder her. Ich werde da sein.“ Der Junge ruft verzweifelt: „Warte noch. Wer bist du?“ Es bleibt still. Weiterlesen →

Stimmen im Wind

Der Junge und das Meer (1)

9. Juni 2011 von

„Werde ich dich wiedersehen?“ Der Junge blickt aufs offene Meer, vorbei am türkis-weiß gestreiften Leuchtturm. Er erwartet keine Antwort, als sich eine Stimme aus der Brandung zu ihm aufmacht. „Willst du wirklich wissen, ob du MICH wiedersiehst? Oder bin ich nicht eher ein Symbol für etwas, das dir tausendmal wichtiger ist als ich?“ Der Junge ist verdutzt und ertränkt sein T-Shirt mit dem Dosenbier, das den Mund weit verfehlt. „Woher weißt du das? Du kennst mich doch gar nicht…“, fragt er murmelnd zurück und zündet sich eine Gauloises aus der roten Packung an, weil er hofft, dieses Gespräch würde mindestens eine Zigarettenlänge überleben.

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Ingolf Griewank, Politik

Politiker-Deutsch, Deutsch-Politiker, Teil VI

8. Juni 2011 von

Fussball

Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Analphabetinnen und Analphabeten, denen dieser Text vorgelesen wird,
Liebe Menschinnen und Menschen,
Liebe nichtmenschliche Wesenheiten in der Milchstraße und den angrenzenden Galaxien,

Alt-Bundeskanzler Kohl hat es einmal so ausgedrückt: “Die Wirklichkeit stellt sich häufig anders dar als die Realität.”

Dem kann ich mich nur anschließen und in diesem Sinne den letzten Teil meines Lexikons vorlegen.

Lexikon: [A-C] [D-E] [E-J] [K-M] [N-S] [S-Z]

Schnellschuss
Hat mein politischer Gegner tatsächlich mal ein fertiges, gutes Konzept auf den Tisch gelegt, bin ich Zugzwang und muss Zeit gewinnen, bis meine Experten es auseinandergenommen haben. Deshalb betone ich, dass dieser Schnellschuss nicht zielführend ist, das Vorpreschen des Gegners ohnehin handwerklich schlecht gemacht, sozial unausgewogen und verfassungsrechtlichen Bedenken begegnet. Überhaupt sollte mein politischer Gegner (natürlich auch Griechenland) erst einmal seine Hausaufgaben machen, bevor er realitätsfern und verantwortungslos in blanken Aktionismus verfällt, eine mit heißer Nadel gestrickte Mogelpackung zusammenschnürt, mit der er bei den Wählern vollkommen überzogene Erwartungen weckt und damit unserem Land schadet! Weiterlesen →

Brutpflege

Ein Nest voller Wahnsinn

7. Juni 2011 von

 

da sitz ich hier ganz still und leise

um mich herum nur Zahlenkreise

 

mein Vogel pauscht sich auf – spricht zu mir

Wirrwarr im Kopf voller Getier

 

und eh ich mich versehe

im Strudel des Wahnsinn´s stehe

 

der eine Vogel – der reicht nicht mehr

es müssen noch weitere ganz schnell her

 

so brütet mein Vogel schon wieder was aus

neue Ideen schlüpfend – drängen sich in die Welt hinaus

 

der Wahnsinn vor niemand macht HALT

in die Umlaufbahn geht – gewaltig – bis es knallt

Ich empfehle

Bus fahren

6. Juni 2011 von

Bus

Ich fahre Bus. Nicht etwa in in der Türkei, in Thailand oder Berlin. Auch nicht mit den Fernlinien-Bussen – wie zum Beispiel von Berlin in die Masuren. Ich fahre auf dem Land Bus – von einem Dorf in ein anderes und auch in kleine Städte. Das ist für die meisten in etwa so absurd, als wenn man in Berlin sagt: Ich laufe von Kreuzberg nach Pankow, was übrigens, wie ich aus eigener Erprobung weiß, sehr interessant sein kann. So ist es auch mit dem Bus fahren.

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Einer geht

A b s c h i e d

3. Juni 2011 von

claus.bye

Ich will nicht mehr. Ich verlasse kostblog. Na und ?

Soll er doch gehen – aber bitte leise.

Ich will es erklären. Die virtuelle Welt, ob nun Blog, E-mail oder gar Facebook ist nicht meine Welt. Sie ist ein Menetekel für den Untergang persönlicher Kommunikation – man nannte es früher “Gespräch”. Jeder, der mich jetzt Dinosaurier nennt, mich als hoffnungslos altmodisch bezeichnet, adelt mich.

Ich verlasse diese falsche Realität und wende mich wieder dem “Gegenüber” zu, dem, der nicht richtig zuhört, in der Nase bohrt, wenn ich mich mit ihm unterhalte, mich dabei unterbricht, dazwischenredet und schließlich der Konversation die Krone aufsetzt mit dem Satz:” was haben Sie da gerade gesagt?” Ich kann mein “Gegenüber” anfassen – ich kann ihm sogar meine fünf Finger der rechten Hand auf seiner arroganten Wange hinterlassen.

Im Grunde ist die virtuelle Welt menschenverachtend. Warum?

Jeder schüttet seinen persönlichen Müll ins Netz. Ein Ablasswesen der falsch verstandenen Kommunikation. Damit ist es getan, keinen stört es und keiner ist aufgefordert, in einen Diskurs zu treten, erwartet wird so gut wie gar nichts. Das Niveau der Kommentare im Blog zeigt eine Blutspende, um die “Originalität” der Kommentierung in Notfällen am Leben zu erhalten.

Das Weltgeschehen – oder auch nur die regionale Unruhe in unseren deutschen Landen – wird fast total ausgeblendet, bleibt im Blog vor der Tür. Es gibt keine Debatte über Japan, die AKW Problematik, über den gekillten Bin Laden – auch keine über die hierzu von dieser sogenannten Bundeskanzlerin getätigten unbotmäßigen Äußerungen – über die Veränderungen in unser Gesellschaft im allgemeinen oder wenigstens über die Schamlosigkeit der Lügerei eines verkommenen Adeligen, der allenfalls ein Plagiat des alten Adels darstellt. Nichts zu diesen und anderen Themen dieser Art. Ich bin ein Mensch, dem das Einfach-so-hinnehmen fremd ist, die Kritik an gesellschaftlichen und politischen Zuständen ist mir immanent, sie gehört zu meinem Leben. Hier finde ich in der kleinen, rotgeränderten Augenwelt der Blogger nichts, eine weltabgewandte Welt, in der nur der Bildschirm des Computers zählt, wobei gleichzeitig eine überwiegend negative Einstellung zum Fernsehen propagiert wird, ohne sich eigentlich darüber ein Urteil erlauben zu können.

Mir graust vor dieser Einseitigkeit, der auch mit dem zunehmenden Verfall sozialer Strukturen einhergeht. Zugegeben, es gab gute und sogar gute Beiträge im kostblog. Zumeist betrafen sie aber wieder eigene Befindlichkeiten oder besser: persönliches Magengrimmen, Selbstgespräche, die unbedingt belauscht werden sollten, Tagebuchaufzeichnungen, die aufforderten von Unbefugten gelesen zu werden.

Die Welt der Blogger ist eine arme, neugierige Welt, die das Alleinsein als die eigentliche Todsünde unserer Zeit geißelt. Ihre Steigerung ist das “Facebook”, diese inhaltsleere Anbiederung um “Freunde” zu gewinnen. Diese Einrichtung ist erlaubter Diebstahl der Individualität, eine Entwertung des Menschen. Sie stellt eine Verhurerei der Begriffe Freundschaft, Zuneigung, Hinwendung dar, ein Abort für verbale Blähungen. Der Computer frisst euch. Er frisst, was er kriegen kann: dein Gehirn, deinen Verstand, deine Seele.

Ich bin sicher, dass kaum einem heute auch nur annähernd die soziologischen Verwerfungen bewusst ist, die diese Abhängigkeit von einer virtuellen Welt in der Zukunft mit sich bringen werden.

Warten wir es ab – viel Spaß dabei bis dahin.

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Bild: Annett Gernhardt

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