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Mehr vom Herbst

Leise fällt das Laub der Kiefern

9. November 2011 von

Herbst

Ich bin verliebt. Nicht zum ersten Mal. Ich bin ja irgendwie ständig verliebt. Diesmal sind die Farben des an meiner großen Seitenscheibe entlang fliegenden Waldes der Quell meines wohligen Gefühls. Das Grün will kaum weichen in diesem Herbst und mischt sich mit flammendem Rot zu einer Kraft, vor der der Winter angststarr winselnd hinter den sieben Bergen in seiner kalten Kuhle kauert. Ich löffele mir die Augen voll mit dieser cremig-heißen Suppe, die nach Kastanien riecht und nach Kartoffelfeuer auf den Feldern.

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Markus Müller

Die richtigen Fragen

8. November 2011 von

Familiengrabstätte

„Die Oma ist gestorben!“ sagte mir mein Bruder zu Beginn unseres 30-Minuten-Telefonats heute morgen gegen halb zehn. Es waren seine ersten Worte. Ich dachte an die Mutter meiner Mutter, weil sie zur Hochzeit meines Bruders bereits nicht gekommen war und mir die Erklärung doch recht konstruiert vorkam: „Sie kümmert sich um die Katze. Dass die immer genug zu Fressen hat. Du verstehst…“. Ja, nöö, versteh ich nicht.

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Gastbeitrag

Von Zauber und Verfall

7. November 2011 von

Künstlerin

Seit einiger Zeit kommt eine Frau öfter in die Bar. Sie ist sicher über 65 und sie kleidet sich sehr auffällig. Beim letzten Mal trug sie einen zerfressenen Pelzmantel – im Juli – und eine flockende Mütze aus Rotfuchs über einem knappen Kleid. Sie hat die Figur eines jungen Mädchens und das Gesicht einer freundlichen Großmutter. Ihre Haare sind strähnig braun, so braun wie ihre Augen. Sie riecht. Und ist ausgesprochen höflich.

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Daniel Elsner

Kritik ist was für andere

4. November 2011 von

Bleistift spitzen

Kritik. Ein kleines Wort im Meer der individuellen Befindlichkeit. Balzac, der wohl fleißigste Romanschriftsteller unter den Franzosen und Kind zahlreicher Revolutionen, schrieb unverhohlen “Die Kritik gleicht einer Bürste. Bei allzu leichten Stoffen darf man sie nicht verwenden, sonst bliebe nichts mehr übrig”. Weiterlesen →

Lyrik

Suchen. Finden. Verlieren.

3. November 2011 von

Schlaflos rennend durch Nebelnächte
hetzen wir dem Glück entgegen.
Wie es wohl aussieht,
sich anfühlt, schmeckt? Weiterlesen →

Nicht bei uns

Mein fröhlicher Nachbar

2. November 2011 von

doubtful neighbourhood

Wir haben neue Nachbarn. Nicht ganz neu, sie sind vor einem halben Jahr oder etwas mehr eingezogen. Aber eine gewisse sagen wir Probezeit sollte schon ins Land gehen, bevor man das hehre Wort Nachbar in den Mund nimmt. Ein Nachbar, das ist ja dann doch schon etwas besonderes, das ist einer, den man im Hausflur oder auf der Treppe mehr oder wenig offen grüßt oder für den man nach ein paar Jahren der Bewährung bei Abwesenheit womöglich sogar ein Postpaket entgegen nimmt. Insoweit sagen wir mal vorsichtig: es wohnen neue Leute neben uns.

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Anita Hendrich

Der letzte Tag in diesem Jahr

1. November 2011 von

Sonnenuntergang

Mein Verhältnis zu ihr ist schon immer ein besonders. Mit jedem Kilometer auf der Autobahn pocht mein Herz mehr. Ich halte freudig erregt Ausschau nach ihr. Meine Hände werden schon leicht schwitzig, wenn ich sie von der weit entfernten Straße kurz erblicke.

Dann kommt jedes Mal dieser besondere Moment.

Ich steige aus dem Auto und gehe auf sie zu. Aufrecht und voller Stolz bei ihr sein zu dürfen.

Unter mir spüre ich den Sand, der vom Tag noch leicht warm ist. Ich setze mich ganz nah zu ihr und schaue sie einfach nur an. Sie sieht immer etwas anders aus, sie sieht immer wunderschön aus.

Ich begrüße sie wie eine gute Freundin und bleibe stundenlang bei ihr mit dem wunderbaren Gefühl des absoluten Glücks.

Sie zeigt mir all ihre Facetten. Ihre Wärme, ihren Duft, den Wind, der sie wie ein wundervolles Kleid umgibt.

Mit jedem Tag steht die Sonne etwas tiefer, bis zu jenem, an dem ich sie zum letzten Mal in diesem Jahr über ihr golden funkeln sehe. Sie wird dann kälter, frostig und rau.

Ich werde sie vermissen, bis zum nächsten Frühling, in dem wir uns wieder sehen.

Foto: Anita Hendrich

Absatzsorgen

Morgen welkt der Raps

27. Oktober 2011 von

rapsody in yellow

Klack, klack, klack. Scharf knallt der Hall der Hartholzabsätze meiner mexikanischen Stiefeletten durch die dunkle Straßenschlucht. Es ist früh und es ist kalt und es ist endlich nicht mehr Sommer. Im Sommer kannst Du so früh raus, wie Du willst, immer hat schon jemand ein gute-Laune-Paket aufgerissen und aus dem Fenster seiner erfüllten Träume bunte Kügelchen auf’s Trottoir geschüttet. Immer kriechen erste Sonnenstrahlen dir von hinten über die hängenden Schultern und malen einen Schattenriss deiner schlechten Laune in die morgenwarme Luft.

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Warum wir den Männerbeauftragten brauchen

Schuhe mit 40

25. Oktober 2011 von

Es gibt Körpermerkmale, die in keinem Schwarzbuch der Diskriminierung stehen und Männer dennoch unendlich benachteiligen. Wie Schuhgröße 40. Ich empfinde es eigentlich als keinen Nachteil, dass ich mit einigen Lebensabschnittbegleiterinnen die Schlappen tauschen konnte. Meine Füße sind zierlich aber besitzen einen stolzen und sehr hohen Spann, der meinen Flanken bei Motor Wama diesen gefürchteten Effet verlieh. Trotz ihrer überschaubaren Größe tragen sie mich auch über weite Strecken, bei denen die Lunge pfeift und das Salz die hohe Stirn verklebt. Sie sind also voll funktionstüchtig und hühneraugenfrei. Weiterlesen →

Gastbeitrag

Der Mann der ein Ufo gesehen hat

24. Oktober 2011 von

Obdachloser

Um Elend zu sehen, braucht man nicht in die Slums von Sao Paolo zu fahren. Auch nicht in die Hölle der Blechhüttenstädte von Bombay. Manchmal reicht ein Blick in eine spießige deutsche Kleingartenanlage. Davon gibt es in Görlitz eine ganze Menge, und sie sind ein Spiegel der Alterung, des Verfalls und der Brüche in dieser Stadt. Zu Zeiten der DDR hatte eine Mehrheit der Bürger einen Kleingarten, um Gemüse und Obst anzubauen und natürlich auch um Freizeit in der Gemeinschaft zu verbringen. Damals hatte Görlitz 110000 Einwohner. Heute sind es 57000 – Tendenz fallend. Der Anteil an über 65 Jährigen beträgt hier über 30%. Das bedeutet, dass viele Gärten leer stehen, verwildern und verfallen. Manche Gartenlaube ist einfach so verlassen worden. Ich habe Lauben gesehen, in denen noch der Tisch gedeckt war. Alles war so stehen gelassen worden, als hätte die biblisch angekündigte Entrückung bereits stattgefunden.

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