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Stilzkin

Verdrängung

27. Mai 2014 von

Bild: me_maya

Bild: me_maya

Ich laufe durch meine Stadt, sie ist grau für mich. Wo ist ihre Farbe, ihre Schönheit hin? Ich suche vergebens die Farbe, die mich erhellt. Oder ist es nicht die Stadt, die ihre Farbe verloren hat, sondern ich? Ich ziehe weiter, mein Weg führt mich vorbei an Straßen und Plätzen, gefüllt mit Touristen. Wenn ich in deren Gesichter sehe, erkenne ich nichts außer dem grauen Schatten. Es liegt nicht an meiner schönen Stadt und auch nicht an den Menschen in ihr, dass ich alles nur Grau sehe. Nein, es liegt an mir. Vielmehr an dem Schmerz den ich in mir trage. Weiterlesen →

Andi Herrmann

„Sprechen Sie Andi?“ Heute: Sprachorigami zwei – sich hinfort setzende Falten

26. Mai 2014 von

Bild: Georg Sander

Bild: Georg Sander

Es wurde von einigen Lesern der Wunsch nach einer Fortsetzung von Sprachorigami (über falten/Falten) geäußert. Am Anfang dachte ich ja: „Eine Fortsetzung? Kannste knicken!“ Und genau das war dann auch ausschlaggebend, dass ich es eben nicht wie ein Faltblatt in die dafür vorgesehene runde Ablage verfrachtet habe, sondern mich der kniffligen Aufgabe gestellt habe. Denn, wenn es um Sprachbetrachtung geht, kenne ich doch den einen oder anderen Kniff, da kneife ich dann lieber nicht. Weiterlesen →

Ich glaube, das wird ziemlich genau so.

Die Schrecken des Vater-Seins in drei Episoden

23. Mai 2014 von

Bild: henscheck

Bild: henscheck

Ein Kind ist wie ein Mixer. Der keinen Deckel hat. Und immer an ist. Man hat also immer Arbeit damit und was man hinein gibt, kommt auch wieder raus. Sabber am Mund, vollgeschissene Windeln, erhöhter Platzbedarf in engen Gängen durch Kinderwagen, die Transformation in einen wandelnden Feuchttuchspender. Ungläubige Blicke fremder Menschen, eingeschränkte soziale Kontakte, Aufgeben der eigenen Würde und Aufnehmen der Kindersprache. Wie es in Wirklichkeit kommt, kann man sich nur schwer ausmalen und meistens kommt es anders als man denkt. Weiterlesen →

Hommage an einen, der's verdient hat.

Altmann-Tag

22. Mai 2014 von

Bild: Apolonia Wieland

Bild: Apolonia Wieland

Als mein Wecker nicht wie immer um 6:29 Uhr klingelt, bin ich verwirrt. Statt mich ordnungsgemäß zu wecken, spielt das Ding „Der 12. Mann“, die musikalisch äußerst fragwürdige Fußballhymne von Dynamo Dresden. Aus meinem linken Ohr schießt sofort ein ansehnlicher Schwall Blut. Ich haue mich auf das rechte und nicke nochmal ein. Heute ist Altmann-Tag. Weiterlesen →

Eileen-Maria Wagner

Die große Stille

21. Mai 2014 von

Bild: FElix NoeLLe

Bild: FElix NoeLLe

Wir sind alle irgendwie beschädigt, wie’s aussieht. Manche von uns mehr als andere. Wir tragen die Schäden aus unserer Kindheit mit uns herum und dann, als Erwachsene, teilen wir so gut aus, wie wir können. Letzten Endes richtet jeder von uns mal Schaden an. Und dann machen wir uns an die Arbeit und versuchen zu reparieren, was zu reparieren geht.

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Andi Herrmann

Der Gedankensturm

19. Mai 2014 von

Bild: U Kersting

Bild: U Kersting

„Versager!“ hämmerte es in Salven eines Maschinengewehrs durch seinen Kopf. Die Kugeln zerfetzten die Nervenbahnen, legten das ohnehin schon zusammenbrechende Gedankensystem frei. Blanker Wahn trat hervor, verhöhnte ihn, machte ihn zu einer Karikatur seiner selbst. „Alles sinnlos!“ stotterte es wie ein Presslufthammer im Offbeat einstimmend. Weiterlesen →

Verena Maria Dittrich

Gallseife mit pürierter Trauer

16. Mai 2014 von

Bild: Herr Olsen

Bild: Herr Olsen

Irgendjemand hat mal zu mir gesagt, das mit der Trauer käme immer erst später. Im vergangenen Jahr starb mein Vater. Ich will mich nicht in Details über sein Leben oder seinen Tod verlieren, ich wusste, dass er eines Tages sterben würde, wie wir eben alle eines Tages sterben werden. Hin und wieder habe ich versucht, mich mit dem Tod auseinander zu setzen, aber meist macht man das entweder, wenn man betrunken ist oder nachts, wenn man wach im Bette liegt und nicht einschlafen kann. Weiterlesen →

Das Einfache leben

Schuhe binden

14. Mai 2014 von

Bild: ellelala

Bild: ellelala

Ich habe mir vor einigen Tagen, es muss kurz nach dem Frühstück gewesen sein, die Schuhe geschnürt. Genau genommen waren es die Schnürsenkel, die ich schnürte. Also zusammenband. Aber nicht beide zusammen, wie ihr jetzt denkt. Jeden für sich alleine. An den Enden. Oben. Schuhaufwärts betrachtet. Alle weiteren nervenaufreibenden Details dieser Aktion werde ich als Roman nieder schreiben. Einen Arbeitstitel habe ich schon: „Der fast Hundertjährige, der sich die Schuhe band und verschwand“.
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Henning H. Wenzel

Gedanken eines überdurchschnittlich berühmten Rockstars

13. Mai 2014 von

Bild: Marcus Schwan

Bild: Marcus Schwan

Denken Sie an Keith Richards oder Alice Cooper. Aber es geht nicht um Keith Richards oder Alice Cooper, sondern um irgendeinen anderen überdurchschnittlich berühmten Rockstar.

Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, aber mir wird von Tag zu Tag bewusster, dass etwas mit mir nicht stimmt. Nicht stimmen kann. Ja, ich weiß, wir werden mit jedem Tag älter und älter und ab einem bestimmten Punkt geschehen eben Dinge, die wir früher mit aller Kraft abgelehnt hätten. Oder wir beginnen zu vermeiden, was wir uns vorher unter keinen Umständen hätten entgehen lassen. Schon klar. Aber irgendwas ist mit mir nicht in Ordnung. Weiterlesen →

Andrea Sommer (Wien)

alt-älter-untot?

12. Mai 2014 von

Bild: me_maya

Bild: me_maya

ich weiß ja nicht was die menschheit daran findet 150 jahre alt werden zu wollen.

kommen doch die meisten schon mit ihrem 40iger nicht zurecht – was erst, wenn 133 kerzen gleich einem flächenbrand auf der torte – die muntere, gleichaltrige geriatrische abteilung in die neu gelaserten augen blenden? Weiterlesen →

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