In der Fußgängerzone
Warum werden Gesetze geschaffen, Richtlinien und Regeln erlassen? Damit das Miteinander funktioniert. Gut, zugegeben, manchmal kann man den Kopf schütteln, was da manchmal für Regeln aufgestellt werden. Hält man sich aber nicht an gewissen Spielregeln funktioniert das friedliche Miteinander nicht.
Und weil Verbotenes immer verlockend ist … Also in meiner Stadt gibt es mehrere Fußgängerzonen. Frei für Radfahrer. Sehr oft gehe ich durch die Jakobstraße. Dort reihen sich Geschäft an Geschäft, aber auch viele Arztpraxen sind vorhanden. Wochentags füllt sich die Straße mit einem Menschenschwarm, Fahrradfahrer haben es schwer dort durchzukommen. Deswegen ziehe ich es vor, zu laufen.
Die Straße ist für den Lieferverkehr freigegeben für die Zeit von 17.00 – 10.00 Uhr.
Haben sie den Satz jetzt richtig gelesen? …für den Lieferverkehr.
Aber nicht nur der Lieferverkehr liefert bis weit nach 10.00 Uhr, auch private Pkw benutzen die Straße, parken vor der Arztpraxis, fahren zum Bäcker einkaufen, zum Blumenladen… Ein Rätsel allerdings kann ich nicht lösen, ich habe noch nie in dieser viel befahrbaren Fußgängerzone eine Politesse gesehen. Die sieht man in den versteckten Gassen, bei den Parksündern, da, wo sie keinen Kontakt mit den Bürgern bekommen.
Als ich letztens wieder mal durch die Jakobstraße ging durfte ich ein wunderbares Schauspiel erleben. Wieder fuhr mal ein Pkw in die Straße. Am Steuer ein Mann mittleren Alters. Sofort positionierte sich ein Fußgänger vor das Auto und schlenderte mitten auf der Straße ganz gemütlich die Straße entlang. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich schätzte ihn mal so um die Sechzig. Ganz gemütlich und alle Zeit der Welt sein eigen nennend, schlenderte er vor dem Pkw her. Da half das Hupen nicht, und der dicke Hals, den der Fahrer bekam, der änderte auch nichts.
Natürlich bekamen dieses Schauspiel die Passanten mit, und einer stellte sich in Position und zoll dem Pkw-Lotsen Beifall. Das erweckte Aufmerksamkeit und bald applaudierte die ganze Straße.
Ich glaube es war bestimmt seine letzte Fahrt in eine Fußgängerzone. Ohne Mitwirkung der Politessen.
Text: Bernd Töpfer


9. Juni 2012 um 17:43 Uhr
Na, der war ja fast (nicht ganz, aber fast) so mutig wie der Mann vor den Panzern am Tiananmen-Platz.