Diegos Bouletten

Sollte – Gott bewahre (oder wer auch immer auf Erden dafür zuständig ist) – sollte also demnächst trotz aller gesellschaftlichen Sorgfalt ein Krieg ausbrechen, ist völlig klar, was ich mitnehmen werde. So ein Krieg ist keine lustige Angelegenheit, einen Krieg darf man nun wahrlich nicht unterschätzen.
Mal ist es zu kalt in den bodennahen Schützengräben, mal ist es zu heiß. Letzteres betrifft vor allem die in transatlantischen Kulturkreisen traditionell beliebten Expansionskriege. Vor allem aber die Klage über die miserable Verpflegung in Kriegs- und Krisensituationen zieht sich quer durch alle Fronten. Mit Diegos Kümmelbouletten im Sturmgepäck allerdings sähe auch die schwärzeste Lagebeurteilung um Farbsprünge rosiger aus.
Diego gehört nicht nur – das sei neidvoll anerkannt – zu den bestaussehendsten Menschen in meinem weitschweifigen Bekanntenkreis, er verfügt auch über ein ausgesprochen seltenes Zauberhändchen, was die Zubereitung von Bouletten angeht. Bouletten herstellen ist kein Kinderspiel.
Wer hierbei mit lieblos zusammengepampertem Schweinehack und ein paar Krümmelresten aus dem ausgewischten Brotfach in’s Rennen geht, der wird die Schandtat wohl auch in einem Ketchup-See ertränken. Meines Freundes Diegos Fleischbällchen sind Kompositionen, Meisterwerke liebevoller Zuwendung an den unbekannten Esser. In ihrem Querschnitt ein Abbild sämtlicher dem Bratenden erreichbaren Zutaten, welche zerkleinerbar und passend scheinen.
Da lugt aus dem Anbiß ein atomisiertes Stück Mohrrübe hervor und harmonisiert dabei auf’s Feinste mit dem dunklen Grün eines Lauchröhrchens. Die verwendeten Gewürze spiegeln den schillernden Reichtum des Orients wieder und verbinden sich mit “Bautz’ner mittelscharf” zu einem strafmildernden Entschuldigungsgrund für jedwede Form von Mundraub.
Bouletten, höre ich die Kritiker höhnen, seien wohl das Lächerlichste und Hintallerletzte, was man in einen Krieg mitnehmen müßte. Oh nein, Freunde: eine in den Minengassen unserer Beziehungsfelder mit Liebe geteilte Boulette nach Diegos Art ist in der Lage, einen Frieden zu besiegeln, der Jalta und Versailles zu Höllenorten macht. Wer das nicht glauben mag ist vermutlich auch der Ansicht, Berufspolitiker seien dazu geeignet oder auch nur Willens, Kriege zu verhindern.
Ein schwerer Trugschluß. Zum Regieren drängt es meistens die, die mit sich selbst im Hader sind. Wer aber Frieden will, läßt Diego kochen und Krankenschwestern an die Macht.
Foto: Annett Gernhardt

30. November 2010 um 08:24 Uhr
Und ich dachte immer, es hieße: Send a salami to your boy in the army!
https://www.katzdeli.com/shopping/index.php?cat=salami&PHPSESSID=4e5de03ce96d8672d470f314169697c6
30. November 2010 um 09:26 Uhr
Das Diego kocht ist mehr als okay. Aber Krankenschwestern an die Macht?
Sind die nicht jetzt schon überlastet?
30. November 2010 um 10:26 Uhr
Liebe Frau Hoffmann,
aus einer Salami wäre nie und nimmer ein so sensationelles Bild entstanden wie das obige von Annett Gernhardt. Sie werden mich nicht mehr loslassen, die Augen des Metthasen.
30. November 2010 um 10:28 Uhr
Genau genau, Herr Kleinrensing. Daher ja. Regieren kann nicht so anstrengend sein wie der Dienst einer Krankenschwester. Daher schlage ich einen Tausch vor. Dann könnten die amerikanischen Botschaftsangehörigen auch völlig neue Dossiers anlegen.
30. November 2010 um 11:02 Uhr
Ach, das Sensations-Bild einer Salami wäre den Versuch wert. Im Übrigen bin ich am obigen Bild nur teilschuld. Die Schweinearbeit daran leistete ja – wie beschrieben – Diego
30. November 2010 um 11:03 Uhr
Darf ich mir die Oliven nehmen?
30. November 2010 um 11:04 Uhr
versuch es ruhig mal, Niels …..
30. November 2010 um 11:13 Uhr
ich würde gern ein Foto von einem “unserer Jungs” in Uniform vor afghanischen Mohnfeldern mit einem Metthasen in der Hand sehen!
Katz hat eins von einem G.I. mit Salami im Irak!
30. November 2010 um 11:16 Uhr
Den Hasen hatte ich übrigens nicht erkannt.
30. November 2010 um 11:35 Uhr
Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung, Katharina.
30. November 2010 um 11:44 Uhr
Annett, sach nich, es ist ein Teddy. Für mich ist es die Wachablösung für den Keinohrhasen, mit dicker Stirnwulst. Und meine Wahrnehmung ist meine Wahrheit.
30. November 2010 um 13:15 Uhr
Deine Wahrnehmung, mein lieber Axel, möchte ich keinesfalls durch Vorbringen von schnöden Realitäten stören. Iss brav deinen Hasen auf und geh wieder spielen.
30. November 2010 um 14:16 Uhr
Die Wahrnehmung, die bewusste und unbewusste Sammlung von Informationen, lässt mich glauben, dass es sich bei dieser Boulette um eine frühe Darstellung von Benjamin Blümchen handelt.
30. November 2010 um 17:18 Uhr
Der ist doch nun aber völlig unschuldig in dieser Sache. Nicht vom Thema ablenken!
30. November 2010 um 19:11 Uhr
Die Assoziation “Benjamin Blümchen” und “Boulette” geht bei mir in eine ganz andere Richtung!
30. November 2010 um 19:55 Uhr
Tut mir leid Herr Krüger. Es sind schon Kriege aus weit unwichtigerem Grund entstanden.
Zum Trost: Wer kocht schießt nicht.
1. Dezember 2010 um 17:50 Uhr
Niemand, lieber Herr Kleinrensing, muss sich hier für nichts entschuldigen. Ob über die friedenschaffende Wirkung von Marketenderinnen wohl schon vertieft geforscht wurde? Weiß da wer was?