25. April 2012
von Gastautor

Der Wind hat ihr das Leben eingehaucht. Könnte man sagen. Jedenfalls blies er irgendwann ein Samenkörnchen auf’s Dach – und es entwickelte sich. Unter dem Dach versucht ein kleines altes Haus am Leben zu bleiben. Leute wohnen hier schon lange nicht mehr. Ein paar Katzen vielleicht und Vögel und Spinnen. Ganzen Beitrag lesen →
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20. April 2012
von Gastautor

Auf dem Bahnhof in Potsdam sah ich einen Prellbock. Der Prellbock steht ganz allein am Ende des Gleises, auf dem die S 7 aus Berlin ankommt. Selbstverständlich existieren auf dem Potsdamer Bahnhof und auf den Bahnhöfen aller Länder mehrere Prellböcke. Ja, vielleicht sogar unzählige Prellböcke – in keiner Bestandsliste je erfasste Prellböcke, aber ich spreche hier nur von demjenigen Prellbock, welchen ich letzte Woche kennengelernt habe. Ganzen Beitrag lesen →
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18. April 2012
von Gastautor

So, da hätten wir es also mal wieder. Mitten in der Nacht, alle sind am Schnorcheln und Träumen und was weiß ich für Sachen machen und nur die Dumme liegt wach. Prima, Applaus. Haste wieder fein gemacht. Boah ich könnt grad an die Decke gehen. Heute war und ist absolut nicht mein Tag. Mal wieder. Kommt ja irgendwie öfter vor. Mir scheint mal wieder ganz arg, als wolle mich der Bärtige für irgendwas bestrafen, was ich ganz sicher nicht getan habe. Auch nicht im letzten Leben. Er muss mich verwechseln. Ganz bestimmt. Bin schon immer ein braves Mädchen gewesen. Sei es drum. Ändert nix. Ganzen Beitrag lesen →
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17. April 2012
von Gastautor

Da ist Georg, 72, seit einem halben Jahr Witwer. Die ersten vier Wochen sah man ihn jeden Tag am Grab seiner Frau. Vier Gräber weiter liegt der Mann von Marie begraben. Marie ist 68 Jahre alt und seit zwei Jahren allein. Ganzen Beitrag lesen →
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13. April 2012
von Gastautor

Freitagabend, 23.15 Uhr. In der Glotze läuft nichts nach meinem Geschmack. Anstatt abzuschalten switche ich durch sämtliche Kanäle. Das sind mittlerweile über hundert, also reichlich Arbeit. Ich bin hellwach und meine Traumprinzessin liegt neben mir auf dem Sofa. Sie ist bereits in sanftem Schlummer entrückt. Ich hasse es, wenn sie vor dem Fernseher schläft. Ich muss mich beherrschen, ihr nicht einen ordentlichen Knuff zu geben und sie ins Bett zu schicken. Ganzen Beitrag lesen →
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10. April 2012
von Thomas Knackstedt

Wir haben -4 Grad und ein schneidender Ostwind hat mich ins Visier genommen. Ich halte den Kopf unten, umklammere die Lenkerenden und trete mit aller Kraft in die Pedale. Die Straße ist abgetrocknet, der gefährliche Mix aus Eis und Schneematsch ist verschwunden. Meine Füße werden langsam kalt, aber mein Oberkörper ist schweißnass. Ich bin nicht allein. Dostojewski ist bei mir auf dem Rad. Er erzählt mir eine Geschichte, die er sich vor über 130 Jahren ausgedacht hat. Der Knabe weiß noch jedes Wort, Wahnsinn. Ich lausche seiner Stimme, während mich eine Böe fast zum Stillstand bringt.
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4. April 2012
von Gastautor

Die glitzernden Strahlen des Mondes kitzeln das kleine Mädchen an der Nase. „Es wird Zeit aufzustehen!“ flüstert er ganz leise. Das kleine Mädchen im Nachtland schlägt verschlafen die Augen auf, blinzelt zum Bruder Mond und murmelt „nur noch eine Minute“. Bruder Mond jedoch ist in dieser Sache recht unbarmherzig und kitzelt nur um so doller. Kichernd und immer noch verschlafen rollt sich das kleine Mädchen aus ihrem gemütlichen Bett aus weichem Moos und der herrlich duftenden Blätterdecke, welche die Elfen für sie genäht hatten. Ganzen Beitrag lesen →
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29. März 2012
von Gastautor

Es geht nach unten; unaufhaltsam. Ich komme nicht gegen die Zeit an, kann mich abstrampeln, schreien und fluchen, kann die Dämme verstärken und Lastwagenladungen voller Sandsäcke an die Uferlinie karren, nichts hilft. Ich verliere dich. Stück für Stück. Jeden Tag ein wenig mehr. Du bemerkst die Veränderung erst, wenn Hundertschaften von Tagen sich zu einem Jahr verweben. Da ist noch immer der Kern, ganz tief in dir drinnen, der so ist, wie er einmal war. Ich erkenne ihn, manchmal für ein paar Stunden oder auch nur für eine Sekunde. Die klaren Umrisse all dessen, was ich so sehr liebe, verschwimmen in formlosen Konturen. Ganzen Beitrag lesen →
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28. März 2012
von Gastautor

“Dein Englisch klingt nach Würzburger Urologen. Kannst du den letzten Satz nochmal wiederholen?”, frage ich. Er muss lachen und bemüht sich jetzt um eine langsame deutliche Aussprache :
“Although the biological fitness of cephalosporin resistance in gonorrhoeae H041 remains unknown, Neisseria gonorrhoeae may soon become a true superbug, causing untreatable gonorrhea.”
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27. März 2012
von Gastautor

“It´s a dirty job, but somebody has to do it” hatte der Urologe in Würzburg gefeixt, als er zur Probenentnahme schwungvoll mit dem Wattestäbchen meine Harnröhre hochgefahren war. Offenbar gibt es in Würzburg nicht oft Tripper, denn er lies es sich nicht nehmen, die Probe selbst zu untersuchen. Freudestrahlend kam er nach zehn Minuten mit einem Foto auf Thermopapier wieder in das Behandlungszimmer: “Nun sehen Sie sich mal an, wie die beiden Burschen hier aneinanderkleben, Diplokokken wie aus dem Bilderbuch. Jetzt legen wir schön eine Kultur an und dann sehen wir mal, welche Antibiotika ihnen helfen werden.”
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