Berliner Taxifahrt
Nicht in jede freie Taxe in Berlin steige ich ein. Wenn der Taxifahrer gerade dabei ist seinen stark nach Knoblauch riechenden Döner vom Beifahrersitz zusammen zu packen, um Platz für den Gast zu machen, verzichte ich schon mal. Denn ich möchte den ganzen Abend nicht so riechen wie sein Essen. Oder wenn mich der Taxifahrer im schwer verstehbaren Deutsch einige Male fragt, wo denn die Straße sei, zu der ich wolle, steige ich konsequent wieder aus.
In der letzten Woche fuhr mich ein sympathischer älterer Deutsch – Iraker, der schon 19 Jahre in Berlin wohnt. Neben ihm lag aufgeschlagen das Buch der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich mit der Kriminalität jugendlicher Migranten in Berlin auseinandersetzte und sich später selbst das Leben genommen haben soll.
Diese These glaubte mein Fahrer nicht. Er und seine Familie seien der Meinung, dass diese engagierte Frau umgebracht worden sein. Um diese Meinung zu untermauern, erzählte er mir, dass er vor Monaten von zwei Jugendlichen überfallen worden sei. Sie hätten ihn in seiner Taxe mit dem Messer bedroht, dann ausgeraubt und zusammengeschlagen. Über einen Monat hätte er, wegen seiner körperlichen und psychischen Schmerzen, nicht arbeiten können.
Ich fragte ihn, ob man die Täter denn geschnappt hätte .
Zu meiner Überraschung antwortete er, man habe sie nicht geschnappt, aber er wisse ganz genau wer sie wären. Das musste mir er natürlich jetzt sehr genau erklären. Die Erklärung war sehr einfach. Die Täter waren arabische Jugendliche, die durch ihr kriminelles Verhalten schon stadtbekannt waren. Bekannt war aber auch, dass die Großfamilie an jedem Rache nahm, der eine Straftat zur Anzeige brachte.
Der Taxifahrer hatte lange darüber nachgedacht und sich mit seiner Frau und den älteren Söhnen besprochen. Sie rieten ihm dringend von einer Anzeige ab, damit er sich und sie nicht in Gefahr brächte. Man merkte es diesem stolzen Mann sehr an, wie schwer für ihn die Entscheidung war.
Immerhin war er sehr froh, dass er und seine Familie – nach der Flucht aus dem Irak – jetzt in einem Rechtsstaat leben durften und nicht mehr in einem Unrechtsstaat leben mussten. Er hatte auch mit einem Richter, der der bei ihm oft Fahrgast ist, darüber gesprochen.
Als Richter hatte er ihm geraten, die Täter anzuzeigen um ihm im gleichen Atemzug wieder davon abzuraten, weil er die Reaktionen darauf und die Folgen solcher Anzeigen kannte. So wurde langsam die Frage des Taxifahrers zu meiner eigenen.
Wenn in einem Rechtsstaat Recht bleiben soll, dann darf man doch nicht hinnehmen, dass andere einschüchternde Angstbarrieren errichten, die geltendes Recht blockieren. Oder?



26. Juni 2012 um 14:07 Uhr
Hallo Heiner,
erst mal die Antwort auf deine Abschlussfrage “darf man das hinnehmen”?. Klare Antwort: “Nein!” Jetzt kommt allerdings das “aber”…
Ich arbeite selbst als Ermittler, vorwiegend im Bereich Rauschgift. Bei Tätern, die den “Rechtsstaat” schlichtweg nicht anerkennen, ist es äußerst schwer zu verhindern, dass sie das Opfer noch einmal schädigen. Dabei denke ich jetzt nicht an die schweren Straftaten wie Mord oder ähnliches. Da funktioniert der Rechtsstaat ziemlich gut; wenn halt auch nie ganz perfekt. Wenn der Täter das Opfer noch einmal schädigt, reagiert der Rechtsstaat in der Regel auch entsprechend hart; ob das dem doppelt geschädigten Opfer dann noch Genugtuung verschafft? Vermutlich nicht in jedem Fall.
Um Repressalien zu Hundert Prozent zu verhindern, bräuchte man unglaublich viel polizeiliche “Man Power”. Und die haben wir halt nicht. So kommt es immer wieder vor, dass Opfer, nachdem sie die Tat angezeigt haben, Angst um ihre körperliche Unversehrtheit oder Schlimmeres haben müssen.
Wie man das ändern kann? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass das Thema derart komplex ist, dass man es in keinem Fall am Stammtisch entscheiden sollte…
Es sollte allerdings auch gesagt werden, dass die beschriebene Situation in deiner Geschichte eher die Ausnahme ist(jedenfalls was meine Erfahrungen angeht). Wenn die Polizei erst einmal tätig wird, kommt es selten vor, dass es zu weiteren Übergriffen kommt.
Ansonsten, lieber Heiner, bin ich ja auch öfter mal in Berlin mit dem Taxi unterwegs. Da lernt man Kulturen und Menschen kennen. Ich tippe mal, es gibt keine Nation auf der Welt, die nicht durch einen Taxifahrer in Berlin vertreten ist. Ich persönlich habe mich bei den Fahrten immer wieder mit äußerst netten Menschen unterhalten können.
26. Juni 2012 um 14:50 Uhr
Hallo Heiner,
ein toller Artikel, der jeden nachdenklich stimmen sollte.
Wie lautet denn Deine Antwort und eine Mögliche Lösung Deiner Abschlussfrage?
26. Juni 2012 um 15:32 Uhr
Ich habe mich damals mit einigen Berliner Sicherheitsexperten über dieses Problem unterhalten.
Das Problem ist auch dort bekannt und kommt in einigen Berliner Bezirken absolut nicht selten vor . Da ist die Situation bei euch vielleicht noch etwas anders, Thomas und bei mir in den Bergen geradezu zu vernachlässigen.
Es gibt auch sehr unterschiedliche Gründe ein Verbrechen nicht zur Anzeige zu bringen.
Sie können sehr subjektiver Art sein, indem der Einzelne glaubt, er könne von der Polizei nicht mehr geschützt werden und sie können auch objektiver Art sein- darüber schrieb Thomas auch-das die Polizei wirklich nicht in jedem Fall den Geschädigten vor den Rachefeldzügen anderer schützen kann.
Der Taxifahrer hatte ja auch nicht so sehr Angst um sich selbst, sondern mehr um seine Söhne.
Für mich gibt es ein eigentlich nur eine „gute Lösung“, die im Zusammenspiel zwischen der Polizei und der Zivilcourage in der Gesellschaft angesiedelt ist- denen die ständig andere bedrohen friedlichen Widerstand entgegenzusetzen, sie Ablehnung und Verachtung spüren zu lassen.
Das geht natürlich nur, wenn man sich gegenseitig stützt und durch erfahrbare Solidarität selber angstfrei macht.
Ich weiß, einfach geschrieben aber in einem bestimmten Umfeld schwer zu leben und durchzusetzen- und trotzdem die einzige Möglichkeit.
Dem, was du Thomas über die Berliner Taxifahrer schreibst kann ich nur zustimmen.
Ein buntes Völkchen, wenn auch manchmal mit gefälschten Zulassungsscheinen.
Trotzdem ist meine Toleranzgrenze als Kunde erreicht, wenn es im Taxi stinkt, oder ich den orts-und sprachunkundigen Driver selber lotsen muss ,obwohl ich den Weg selber nicht kenne.
Aber, das will ich gerne einräumen, vielleicht liegt es inzwischen auch schon an meinem Alter, dass es mich stört
27. Juni 2012 um 00:18 Uhr
Ich finde es entsetzlich, dass einige arabische Großfamilien in Berlin den deutschen Rechtsstaat an der Nase herumführen können. Dass ihre Mitglieder in der Lage sind, mit Einschüchterung und Drohung eine derartige Macht auszuüben, wo Opfer und Zeugen ihrer Straftaten aus Todesangst lieber auf eine Anzeige oder auf eine Aussage vor Gericht verzichten. Ich denke, Richterin Heisig muss nicht unbedingt umgebracht worden sein. Zumindest ist es vorstellbar, dass ihr die bekannten Unbekannten den Selbstmord empfohlen hatten, da das die schmerzärmere Variante für sie sei – andernfalls würde sich ihr Sterben über Tage hinziehen müssen.
Die Deutschen müssen aufwachen aus ihrer sabberigen Spaßgesellschaft und Schluss machen damit, sich nur mit Nebensächlichkeiten zu besudeln und sich ausschließlich mit sich selbst zu beschäftigen. Jeder trägt ein kleines Stück Verantwortung. Die Menschen müssen die Augen und die Ohren aufsperren für das, was hier im Gange ist. Hier gewinnen Kräfte an Einfluss, die mit Integration, Gleichberechtigung und Demokratie nichts am Hut bzw. nichts am Turban haben. Ein erwachsener, aufgeklärter Patriotismus ist gefragt. Dazu gehört auch, den politisch Korrekten in den Parteien und Massenmedien entgegenzutreten, die den Menschen verbieten wollen, die Dinge beim Namen zu nennen. Die jedem, der mit geradem Rückgrat eine selbstentwickelte unangepasste Meinung vertritt, nicht mit Sachargumenten begegnen, sondern ihm den Totschlaghammer “Populist” oder schlimmstenfalls “Rechtsextremer” auf den Kopf hauen und ihn damit in die Schmuddelecke verbannen. Damit sollen notwendige Widerstände gebrochen und etablierte Machtpositionen gesichert werden. Hier gilt es für die Freiheit einzustehen, die jetzt noch so selbstverständlich erscheint. Jeder Einzelne in der schweigenden Masse muss anfangen den Mund aufmachen – und zwar gewaltig.