Auf geheimnisvolle Weise
Was kostet, so frage nicht nur ich mich bisweilen, was kostet eigentlich Glück? Vielleicht ist das Glück ja eine Bordsteinschwalbe, die sich Dir nur zur Seite legt, wenn Du mit fremder Währung zahlst. Und der, der Angst hat vor der fremden Münze, wer Angst hat, dass ihm die unvertrauten Scheine Löcher in die Hosentaschen brennen, der wird das Glück nicht spüren können. Weil die Angst ihm Eisenketten um sein kleines Herzchen legt.
Wer das Glück rein lassen will, muss schon die Tore öffnen. Wer sein Glück sucht, muss die Zugbrücken rasselnd runter und die Schlossgräben trockenlaufen lassen, muss Löcher in die dicken Mauern brechen, hinter denen seine Seele sich so sicher und so einsam fühlt. Doch ach, dann droht Gefahr, hör ich die armen Ritter barmen, die Rost an ihrer Rüstung haben vom Angstschweiß, der in Strömen fließt.
Neulich hab ich drei Jungs geseh’n, drei kleine Knirpse zwischen den hohen Häuserfluchten meiner Stadt, die so voller leerer Häuser ist, dass man manchmal fliehen will, weil Häuser nur dann Freunde sind, wenn Menschen sie bewohnen. Die drei kleinen Knirpse haben ein wunderbares Spiel gespielt.
Sie sprangen, wenn ein Auto fuhr, auf ausfahrbare Poller. Das sind ganz wundersame Dinge. Sie stehen wie Menetekel einer Zeit, die Ordnung auf den Straßen mehr schätzt als Gummihopse, Fußballgebolze und das Geräusch vom Tretrollerfahren.
Kommt der Fahrer eines Autos mit Einfahr- oder auch Ausfahrgenehmigung senkt sich der Poller auf geheimnisvolle Weise wie von Geisterhand. Und fährt, kaum braust die Limousine in die Ferne, wieder nach oben, um jedermann den Weg zu sperren, der nicht berechtigt ist.
Das ist der Augenblick der kleinen Kerle. Sie springen auf die Säule und fliegen mit ihr in die Luft. Nicht weit, nur einen Meter zehn. Das ist weit mehr, als viele Menschen sich getrauen würden. Also stählt Stolz die Brust der jungen Recken. Ganz zu Recht. Ich liebe solchen Mut.
Weil wir umgeben sind von Losigkeit. An Mut, an Lust und dann am Ende auch an Arsch. Arschlos zu sein ist weit verbreitet und ein so fürchterliches Schicksal, dass es heißt, Bedauern auszubilden für die Betroffenen. Menschen, die keinen Hintern haben haben meist auch keine Front, weil je nach Standpunkt vorne hinten ist und hinten vorne und nun das Ganze nie mehr sein wird als die lächerliche Summe seiner Teile.
Wer teilen kann ist glücklich oder wird es, heißt es. Beides stimmt so nicht. Das Dilemma entsteht, wenn die Lämmer leidend schweigen, weil ihr Schäfer beim berühmten Schäferstündchen weilt, statt sie zu leiten, seine Lämmer. Lauteren Herzens musst Du sein als guter Schäfer. Lauter als alle and’ren Stimmen allemal. Vom Mahl des Schäfers wird das Lamm doch stets gestärkt und niemals lahm.
Ich fresse alles. Ich fresse mich so gerne satt am guten grünen Gras. Ich fresse aus den Trögen, die mich mögen, weil ich alles esse, was das Glück mir so serviert. Ich bin auch voller Dank für jeden Trank. Und habe einen Freund, der mir verzeiht, wenn ich ihm wieder mal nicht folgen kann.
Kein Glas blieb steh’n im Geh’n und keine Zigarette ungeraucht, auch wenn ich frieren musste vor der Tür mit Dir. Ich habe eine Frau, wie keine jemals war in meinem Leben. Sie ist – mit einem s – und isst und trinkt und lebt, sie raucht und kocht und liebt, dass mir das Glück aus allen Poren spritzt.
Die kleinen Kerle haben mir gezeigt, dass jeder blöde Poller auch ein Hochseil sein kann, auf dem ein Tanz sich eignet, um aufzusteigen in den Himmel meiner Stadt. Ich tanze los.


