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Sommerrollen in Reispapier

Da Lat ist auch eine Stadt in Vietnam

29. Februar 2016 von

Foto: mit einladender Genehmigung von Tran Thi Chin (rechts) und Tochter Elisa

Foto: mit einladender Genehmigung von Tran Thi Chin (rechts) und Tochter Elisa

Ich habe von Rüblikuchen und Primeln geträumt. In der Reihenfolge. Es sollte überhaupt viel mehr Rüblikuchen und Primeln geben. Mir geht es gut. Ich kann den Kühlschrank öffnen, die Zutaten für einen Kuchen herausnehmen oder den fehlenden Rest auf dem Wochenmarkt einkaufen. Der Gemüseverkäufer kennt mich schon. Mein Knofeltürke. Darf ich ihn jetzt eigentlich noch so nennen? Oder bin ich dann automatisch Hashtag Clausnitz?

Frau Dalat – meine Blumen Vietnamesin – bleibt für mich jedenfalls Frau Dalat, obwohl sie eigentlich Tran heißt. Und ihr Mann Huy, erzählte sie neulich. Der Vorname kommt in Vietnam ans Ende: Also heißt Frau Tran eigentlich korrekterweise Tran Thi Chin. Und ab da hab auch ich den Faden verloren, weil Frau Dalat nämlich so schnell redet, kein “sch” aussprechen kann und nach jedem Satz lachend ein fragendes “nick” anhängt. Was soviel bedeutet wie: “Isses nicht so?”

Eigentlich heißt die Stadt der vielen Blumen in Vietnam Da Lat und nicht Frau Tran selbst. Aber das kann Frau Dalat ja auch Wurst sein, sie ist quasi nach über 30 Jahren Integration aus dem Gröbsten raus und muss niemandem mehr ein “sch” ans “Hühnerflei” machen. Sie hat ihr Land verlassen und war immer zu allen gut. Als sie die Wende durchlebte, hat so mancher Freizeitfaschist gerade mal seine nie enden wollende fäkale Phase erreicht. Und als dann auch noch NETTO kam und das Geschäft mit den Blumen nicht mehr ganz so gut lief, fasste sich Frau Dalat ein Herz und eröffnete eine kleine vietnamesische Garküche, direkt an der Straßenbahnhaltestelle. Mit Energiesparlampen, chinesischen Horoskopen als Bambusmatten und ehrlichen echten Narzissen auf den Tischen.

Es gibt eine wuchtige Eistruhe, denn eigentlich ist es auch ein Eiscafé, aber das macht alles nix. Im Winter steht die Truhe leer und es gibt eine vierseitige Speisekarte, die in zwei A4 Klarsichtfolien von ein paar Heftklammern zusammen gehalten wird. Frau Dalat kocht einfach göttlich, das haben ihr die vielen deutschen Freunde schon immer gesagt. Sie kennt fast jeden ihrer Gäste, weil jeder der kommt, wiederkommt. Frau Dalat fragt jeden nach seinem Befinden und wie es ihm schmeckt. Sie schreit fröhlich und lückenlos vom Gastraum in die Küche, wo sich inzwischen ihre ganze Familie den Kochlöffel im Kreis weiterreicht und nach ihren Rezepten kocht.

Am Wochenende hilft eine der beiden Töchter gemeinsam mit der Cousine aus. Sie sind 14, gehen ins Gymnasium und wenn sie Hunger haben sitzen sie mitten im Gastraum einander gegenüber, stippen die von Mama Dalat geschnittenen Gurkenscheiben in Limettensoße, schnattern und kichern, bis Frau Dalat sie wieder in die Küche zum Gemüse schnippeln ruft oder jemand Mangolassi bestellt. Frau Dalat erklärt den Mädchen alles ganz genau. Sie ist eine an Bescheidenheit nicht zu übertreffende Perfektionistin, eine wahre Künstlerin und ihre Sommerrollen in Reispapier haben selbst kernigste Planierraupenfahrer eines Mittags einfach auf harmonischste Weise mal zum Schweigen gebracht.

Warum ich das erzähle? Ich weiß es nicht. Jedenfalls wünschte ich mir für manche Menschen in diesen Zeiten mehr Sommerrollen Erlebnisse. Und mehr Primeln. Und mehr Rüblikuchen. Apropos. Muss los.

Mandy Brandt Die Autorin: Mandy Brandt ist weitgehend frei. Sowohl als Journalistin als auch als TV Sprecherin. Knapp nach Überwindung ihrer Sandkastenphase hat sie mit dem Schreiben begonnen. Seither erfreut und provoziert sie ihre Umgebung mit Geschichten aller Art. Als Autorin für einen großen Fernsehsender ist sie mit allen gesellschaftlich relevanten Themen von Kaviar bis Hundekacke beruflich bestens vertraut. Das bisschen was dann noch übrig bleibt an Vokabeln und Gedanken landet als Häppchen in der Kostblog-Theke. Eat this.
Klaus Lennefer

Lena wird sieben

29. Februar 2016 von

Ein Jahr ist dann ein Schaltjahr, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Die Jahreszahl ist durch vier teilbar, das Jahr ist nicht durch 100 teilbar, es sei denn, es ist durch 400 teilbar. Entspricht demnach alle 4 Jahre findet ein Schaltjahr statt.
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Alex

Endlich wieder Krieg

26. Februar 2016 von

Die Welt dreht sich heute nicht nur, sie dreht durch. Sie rast und rotiert um ihre eigene Achse, um ihren Mittelpunkt aus Scham, Wut und obskuren Ängsten; und schleudert dabei alle, die sich nicht verbissen genug festhalten, von sich. Weiterlesen →

Die alten weißen Männer

Wir schaffen das

16. Februar 2016 von

Bild: Thierry Ehrmann

Bild: Thierry Ehrmann

Ich liebe Angela Merkel. Zack. Jetzt isses raus. Wupp. War gar nicht schwer. Kann aber schwere Folgen haben. Wo es doch jetzt schon in Psychoanalytikerkreisen heißt, Merkels Geisteszustand sei eine Gefahr für Deutschland. Weil sie etwas gesagt hat, was eine Frau in diesem Land nicht zu sagen hat. Weiterlesen →

Alex

Suppenküchengesellschaft

9. Februar 2016 von

Bild: txmx 2

Bild: txmx 2

Ich bin ein Kochmensch. Ich koche, bis auf Ausnahmen, jeden Tag. Mindestens ein Mal. Und ich koche alles, vom Masala über Thaicurry bis hin zu Omas Eiern in Senfsauce. Mit einer Ausnahme. Ich hasse Suppen. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich tagtäglich in einer wieder finde. Weiterlesen →

Wunder 3.0

Hellau mit Allah

2. Februar 2016 von

Bild: Bastian Stein

Bild: Bastian Stein

Also das muss man dem jungen Jahr ja lassen. Das hat ja wirklich furchtbar angefangen. Da fragt man sich, wie das wird, wenn das so richtig Fahrt aufnimmt, das Jahr. Wenn das erstmal aus den Puschen kommt. Keine Angst, von mir kein Wort zu Köln. Den Teufel werd ich tun, mich zu den Vorfällen der Kölner Silvesternacht zu äußern. Zu Köln haben sich schon so viele unglaublich unbefugte Vollpfosten geäußert, dass die Welt auf meine unbefugte Meinung gelassen verzichten kann.
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Henning H. Wenzel

„Küss mich, du Arsch!“

19. Januar 2016 von

Bild: Ralf Κλενγελ

Bild: Ralf Κλενγελ

Es war schließlich deine Idee. Also beschwere dich bitte bei dir selbst, dass dir nichts einfällt und du auf die leere Seite starrst, als wüsstest du, dass dort gleich von allein entsteht, was dir in den Kram passt.
Es wird nicht geschehen. Das weißt du genau.
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Die lange Liste

Schützenliesel

14. Januar 2016 von

Bild: Schützenfest Jaraguá

Bild: Schützenfest Jaraguá

Viel zu selten kümmern sich Menschen in diesem Land – und das betrifft vor allem Menschen, die Lesebühnen besuchen oder Lesebühnen betreiben – viel zu selten kümmern sich solche Menschen meiner Ansicht nach um das deutsche Schützenwesen. Weiterlesen →

Bernd Roloff

ONCE UPON A TIME

4. Januar 2016 von

 

Adlon

Die klugen Taktiker erschienen rechtzeitig zum Champagnerempfang um 18 Uhr im Foyer, um in einer Stunde mindestens 6 Gläschen abzugreifen, was bei der Anzahl der Gäste, der umherschwirrenden Tabletts und gelegentlichem Standortwechsel ohne aufzufallen möglich war. Weiterlesen →

Heinz Eggert

Das größte Geschenk

26. Dezember 2015 von

lada

lada

Wärme, Fürsorge und Gemeinsamkeit: Auch in komplizierten Zeiten können einfache Wahrheiten hilfreich sein. Gedanken zum Weihnachtsfest
von Heinz Eggert. Weiterlesen →

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